Eifersucht in der Ehe

Eifersucht gehört zu den Emotionen, die Menschen regelrecht „auffressen“ können. Wohl niemand kann ehrlich von sich behaupten, noch nie eifersüchtig gewesen zu sein. Im Grunde beruht Eifersucht auf dem Bedürfnis, das zu schützen, was einem wichtig ist. Allerdings kann sie, wenn sie außer Kontrolle gerät, äußerst destruktive Züge annehmen.

Das Wichtigste über Eifersucht für Sie:

  • Eifersucht ist ein menschliches Grundgefühl und in der Partnerschaft als Alarmzeichen zu werten.
  • Personen mit geringem Selbstwertgefühl sind häufiger eifersüchtig als selbstbewusste Menschen.
  • Starke Eifersucht kann sich verhängnisvoll auf die Partnerschaft auswirken. Sie führt in einen Teufelskreis aus Anschuldigungen und Unehrlichkeit und kann letztendlich die Liebe zerstören.
  • Eifersucht beruht auf Verlustängsten. Sie zeigt sich in unterschiedlichen Ausprägungen – bis hin zur krankhaften Eifersucht.
  • Im Umgang mit der Eifersucht haben beide Seiten ihre Aufgaben zu erfüllen, wenn Harmonie in der Partnerschaft herrschen soll.
  • Gesprächsbereitschaft, Offenheit, Ehrlichkeit, die Fähigkeit, zuzuhören und die Bereitschaft zum Verzeihen sind unabdinglich, um Eifersucht abklingen zu lassen und Vertrauen zu stärken.

Eifersucht beruht häufig auf Erlebnissen in der Kindheit

Eifersüchteleien in einer Partnerschaft lassen sich als emotionale Reaktionen durchaus als normal bezeichnen und häufig wird es sogar als schmeichelnd empfunden, wenn ein Partner seine Eifersucht zeigt. Die Ansicht, Liebe und Eifersucht gehörten untrennbar zusammen, ist weit verbreitet. Schließlich zeigt ein eifersüchtiger Partner uns, dass wir ihm etwas bedeuten. Insofern hat Eifersucht in einer Partnerschaft eine Alarmfunktion, die darauf aufmerksam macht, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass es etwas gibt, was geklärt werden muss. Doch genau betrachtet hat Eifersucht auch viel mit Verlustängsten zu tun, weshalb Menschen, die an mangelndem Selbstvertrauen leiden, sehr viel empfänglicher dafür sind als Menschen, die über ein gesundes Selbstwertgefühl verfügen. Wer sich selbst nicht für liebenswert hält, hat in der Regel nie gelernt, sich nicht von der Meinung anderer abhängig zu machen; er oder sie bemisst seinen Wert danach, ob er von anderen geliebt wird. Häufig beruht eine solche emotionale Abhängigkeit auf Verlusterfahrungen, die man in der Kindheit gemacht hat. Bei eifersüchtigen Menschen kommt der alte Trennungsschmerz wieder hoch, wenn sie Anzeichen dafür entdecken, der Partner könne sich von ihnen abwenden.

Wenn jemand angibt, noch nie eifersüchtig gewesen zu sein, stimmt das aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Denn es handelt sich dabei um ein Grundgefühl, dass außer in der Partnerschaft auch in vielen anderen Bereichen auftreten kann. Eifersucht gibt es unter Geschwistern ebenso wie unter Kollegen oder in Freundschaften. Einigen Menschen fällt es allerdings schwer, ihre Gefühle klar wahrzunehmen und zu benennen. Wenn jemand überhaupt keine Eifersucht empfindet, obwohl es in der Partnerschaft Grund dafür gäbe, deutet das darauf hin, dass seine Gefühle erkaltet und sein Interesse am Partner erloschen ist.

Unbegründete Eifersucht ist zerstörerisch

Begründete Eifersucht, die sich als Gefühl der Traurigkeit und Enttäuschung zeigt, muss sich nicht unbedingt schädlich für eine Beziehung auswirken, jedenfalls nicht dauerhaft. Als Reaktion auf einen Vertrauensbruch in einer engen Beziehung ist Eifersucht auch durchaus nachvollziehbar, zum Beispiel, wenn der Partner fremdgegangen ist. Einige Menschen aber reagieren selbst in Situationen, die sich für Außenstehende als harmlos darstellen, unverhältnismäßig eifersüchtig. In Beziehungen, bei denen einer der Partner übermäßig eifersüchtig ist, besteht die Gefahr, dass ein Teufelskreis aus Vorwürfen und Unehrlichkeit entsteht, der die Liebe letztendlich zerstört.

Absprachen können Sicherheit geben

Wenn Eifersucht ein heikles Thema in einer Partnerschaft darstellt, ist es für die Partner sinnvoll, Absprachen zu treffen, wie bei anderen möglichen Streitthemen auch. Treue in einer Beziehung wird heute wieder höher geschätzt als beispielsweise in den 1970er Jahren, als die Studentenbewegung der freien Liebe huldigte und Eifersucht verpönt war. Allerdings gibt es keine allgemeingültigen Regeln dafür, was der Einzelne unter Treue versteht. Während einige Menschen in der Lage sind außerpartnerschaftliche Sexualität zu tolerieren, wenn sie sich nur der emotionalen Treue des Partners sicher sein können, ist sexuelle Treue für andere ein absolutes Muss in der Partnerschaft. Darum ist zu klären, wo die jeweiligen Toleranzgrenzen der Beteiligten liegen. Eine solche Absprache könnte beispielsweise lauten: „Wir sind auch an anderen Menschen, gleich welchen Geschlechts, interessiert. Wir tauschen uns mit ihnen aus und verbringen einen Teil unserer freien Zeit mit ihnen, zur Pflege eines Hobbies oder gemeinsamer Interessen und teilweise auch ohne den Partner. Intimitäten und sexuelle Kontakte kommen aber nur mit dem Partner in Frage.“

Eifersucht kann krankhafte Ausprägungen annehmen

Wenn die jeweiligen Toleranzgrenzen in einer Partnerschaft sehr weit auseinander liegen, birgt dies ein hohes Konfliktpotential. Wenn einer der Partner schon eifersüchtig reagiert, wenn der andere sich mit einer dritten Person unterhält oder diese auch nur anschaut, wird dies auf Dauer zu Problemen führen. Menschen, die sehr eifersüchtig sind, empfinden in solchen Situationen dieselben schmerzlichen Gefühle von Kränkung und Verlassenheit, die sie aus der Kindheit kennen und nicht aufgearbeitet haben. Als Partner einer solchen Person findet man sich in der unangenehmen Lage, für die Verletzlichkeit des anderen verantwortlich gemacht zu werden. In der Folge wird man vielleicht zunächst versuchen, sich anders zu verhalten. In der Regel ist extrem eifersüchtigen Personen jedoch aus sich selbst heraus nicht möglich, wirkliches Vertrauen zu ihrem Partner aufzubauen, ganz gleich, wie dieser sich verhält.

Verlustängste werden mitunter von den Betroffenen als so stark empfunden, dass ein Gefühlschaos entsteht. Sachliche Gespräche sind zum Teil gar nicht mehr möglich, Respekt und Achtung vor dem anderen gehen verloren. Der Eifersüchtige überwacht den Partner mit Argusaugen, kontrolliert sein Handy und seine Emails. Auf diese Weise ist ein entspannter Umgang miteinander nicht mehr möglich. Der Partner vermeidet alles, was den Eifersüchtigen beunruhigen könnte und beginnt, Dinge zu verheimlichen. Unter diesen Umständen fühlt er sich seiner Freiheit beraubt und hat das Gefühl, keine Luft mehr zum Atmen zu bekommen; er zieht sich zurück, was den Kontrollzwang der eifersüchtigen Person nur noch verstärkt. Letztendlich erweisen sich die zunächst unbegründeten Ängste als selbsterfüllende Prophezeiung, denn das geringe Selbstwertgefühl eines übermäßig eifersüchtigen Menschen trägt nicht gerade dazu bei, ihn attraktiv erscheinen zu lassen. Seine unerträglichen Verhaltensweisen können dazu führen, dass der Partner tatsächlich damit beginnt, sich nach Alternativen umzuschauen.

Von krankhafter Eifersucht spricht man, wenn eine vermeintliche Bedrohung der Partnerschaft ausschließlich in der Vorstellung der eifersüchtigen Person existiert. Auch, wenn objektiv kein Vergehen des Partners vorliegt, ist der Betroffene fest davon überzeugt, dass der andere ihn betrügt oder hintergeht. Diese Form von Eifersucht, die häufig mit Aggressionen gegenüber dem Partner einhergeht, wird auch Eifersuchtswahn oder Othello-Syndrom genannt.

Der Umgang mit Eifersucht – beide Seiten haben ihre Aufgaben

Wenn Eifersucht eine Partnerschaft belastet, sind beide Seiten gefordert, wenn es darum geht, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Dies gilt sowohl für den Fall, dass ein konkreter Vorfall Ursache für die eifersüchtigen Gefühle war als auch für eine Situation, in der einer der Partner grundlos eifersüchtig geworden ist. Gemeinhin gilt die Ansicht, dass im Falle eines Vertrauensbruchs der untreue Partner die Schuld auf sich nehmen solle und etwas wieder gut zu machen habe. Wenn es jedoch keinen Grund zur Eifersucht gegeben habe, bestünde auch kein Anlass, etwas zu tun. Diese Sichtweisen sind zwar nachvollziehbar, tragen jedoch nicht dazu bei, das Problem dauerhaft zu lösen. Vielmehr müssen beide Partner ihren Beitrag dazu leisten, um die Harmonie in der Partnerschaft wieder herzustellen.

Eifersüchtige Menschen gehen meist davon aus, die Eifersucht würde allein dadurch ausgelöst, dass der Partner sich nicht „richtig“ verhält. Sie müssen jedoch erkennen, dass sie allein diejenigen sind, die den Teufelskreis durchbrechen können. Es ist nie zu spät, die Verletzungen aufzuspüren, die man in der Kindheit erfahren hat und die das Verhalten als Erwachsener beeinflussen. Schafft man das nicht alleine, sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Oftmals hilft es aber auch schon, das eigene Empfinden genauer zu betrachten. Hierzu kann man ein Tagebuch nutzen, in das man hineinschreibt, wodurch die Eifersucht ausgelöst wurde. Beispielsweise notiert man die Situationen, in denen man sich besonders verunsichert fühlte und Situationen, in denen man sich gar nicht eifersüchtig fühlt. Gleichzeitig versucht man die Gründe dafür zu benennen, warum dies so ist. Interessant ist auch, sich die Frage zu stellen, wie man selbst einen Eifersuchtsanfall einen Tag später bewertet. Letztlich sollte man sich auch in den Partner hineinversetzen und sich fragen, wie man sich an seiner Stelle fühlen würde.

Ebenso ist es für den Partner wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass Eifersucht etwas mit dem Selbstwertgefühl zu tun hat und zu hinterfragen, inwieweit man es vernachlässigt hat, dem Partner seine Liebe zu zeigen. Vielleicht fehlt es an besonderen gemeinsamen Momenten, weil der Alltag zu viel Stellenwert bekommen hat. Oder man hat ohne gründliche Absprache einen Entwicklungsweg eingeschlagen, dem der eifersüchtige Partner nicht ohne weiteres folgen konnte. Es ist wichtig, zu verstehen, dass niemand aus bösem Willen eifersüchtig ist. Bei den persönlichen Freiheiten, auf die der andere besonders eifersüchtig reagiert, lässt sich vielleicht eine Möglichkeit finden, zu einem Vertrauensaufbau beim Partner beizutragen, indem man ihn mehr als bisher darin einbindet, damit er sich weniger ausgeschlossen fühlt. Auch, um ihm damit zu zeigen, dass man ihn ernst nimmt und dass die Partnerschaft einem etwas bedeutet. Der Kampf gegen die Eifersucht ist sehr schwer und ohne Unterstützung kaum zu bewerkstelligen.

Offene Gespräche ohne Konfliktsituationen führen

Um gemeinsam die Probleme überwinden zu können, die in einer Partnerschaft durch Eifersucht ausgelöst wurden, ist absolute Offenheit erforderlich. Beide Seiten sollten sich darauf verständigen, sich zu einem Zeitpunkt über dieses Thema zu unterhalten, an dem nicht von vorneherein eine Konfliktsituation besteht. Während einer Eifersuchtsszene ist es meist klüger, nicht weiter zu diskutieren, sondern Ruhe herbeizuführen. Da der Eifersüchtige wie in einem Rausch nicht für sachliche Argumente zugänglich ist, wird es für den Partner das Beste sein, die Situation zu verlassen, auch wenn er daraufhin mit Vorwürfen oder Drohungen überschüttet wird (z.B.: „Wenn du jetzt gehst…“). Keinesfalls sollte man sich in einer solchen Situation zu wütenden Gegenreaktionen hinreißen lassen, vielmehr kann man versuchen, dem Eifersüchtigen zu vermitteln, dass man ihn nach wie vor liebt, ohne sich zu übertriebener Schmeichelei oder Versprechungen hinreißen zu lassen. Anstatt dessen kann man sachlich sagen: „Ich gehe jetzt mal für eine Stunde an die frische Luft und dann können wir weiter reden“ oder „Lass uns morgen nochmal in Ruhe reden“.

In klärenden Gesprächen mit einem eifersüchtigen Partner sollte man Heimlichkeiten unbedingt vermeiden. Es mag sehr schwierig sein, diese Offenheit und Ehrlichkeit durchzuhalten, insbesondere wenn man weiß, dass es bestimmte Auslöser gibt, die üblicherweise zu heftigen Reaktionen des Eifersüchtigen führen. Doch ist Ehrlichkeit der einzige Weg, seinem Gegenüber zu zeigen, dass man nichts zu verheimlichen hat. Für beide Beteiligten ist es absolut wichtig, dem anderen wirklich zuzuhören. Hierbei sollte der Eifersüchtige sich bemühen, auf das zu hören, was der Partner ihm vermitteln möchte und nicht auf das, was seine Eifersucht ihm einflößt.

Expertentipp:

Der Partner sollte versuchen, aus dem, was der Eifersüchtige ihm erzählt, zu erkennen, was ihm fehlt, und seine Ängste nicht einfach abtun. Auf diese Weise erfährt die andere Person Wertschätzung, woraus sich gestärktes Vertrauen entwickeln kann.

Verzeihen ist besser als Schuldzuweisungen

Für beide Seiten sollte gelten, dass sie sich gegenseitig möglichst keine Vorwürfe machen. Für den Eifersüchtigen bedeutet das, dass er nicht darauf herum reitet, was der Partner ihm eventuell angetan hat. Vielmehr sollte er darüber sprechen, was ihm fehlt und über die Gefühle, die bestimmte Handlungen in ihm auslösen. Es ist vielleicht schwer, dies zu akzeptieren, aber auch nach einem Seitensprung führt es zu keinem Ergebnis, dem anderen die Schuld zuzuweisen. Denn er fühlt sich mit Sicherheit selbst nicht wohl in seiner Haut, zudem führen Vorwürfe nicht dazu, dass man sich selbst besser fühlt. Ebenso wenig bringt es, einer grundlos eifersüchtigen Person ständig vorzuhalten, wie belastend ihr Verhalten für die Partnerschaft ist. Dessen ist sie sich sehr wahrscheinlich selbst bewusst.

In Streitsituationen wirft man sich gelegentlich Dinge an den Kopf, die man hinterher bedauert. Falls dem so ist, sollte man sich anschließend dafür beim anderen entschuldigen. Beide Partner erfahren hierdurch, dass der jeweils andere sich für sein Verhalten verantwortlich fühlt. Eine ehrlich vorgetragene Entschuldigung sollte jeder der beiden allerdings auch annehmen können, denn das Verzeihen von Fehlern ist eine wichtige Voraussetzung für die Bildung von Vertrauen.

Expertentipp:

Letztendlich wird niemand seine Eifersucht von heute auf morgen ablegen können, darum müssen beide Partnern die Bereitschaft haben, sich miteinander, mit den eigenen Gefühlen und denjenigen des Partners auseinanderzusetzen.

5.0 von 5 (1)