Liebeskummer

Liebeskummer gehört zu den menschlichen Empfindungen, die so intensiv werden können, dass wir scheinbar jeglichen Halt verlieren und uns aus der Bahn geworfen fühlen. Wer von Liebeskummer und Herzschmerz geplagt wird, ist traurig und verzweifelt, fühlt sich einsam und glaubt, nie mehr glücklich werden zu können.

Das Wichtigste über Liebeskummer und Herzschmerz für Sie:

  • Liebeskummer kann Menschen in jedem Alter und unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Stellung treffen.
  • Liebeskummer und Herzschmerz kann nicht nur seelische, sondern auch körperliche Auswirkungen haben.
  • Wenn Betroffenen Liebeskummer überwinden wollen, durchlaufen sie vier verschiedene Phasen:
    • Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens
    • Die Trauerphase
    • Die Phase der Verarbeitung
    • Die Akzeptanzphase
  • Die Verarbeitung von Liebeskummer kann sehr lange dauern – doch es gibt einiges, was Sie tun können, um ihn so schnell wie möglich zu überwinden.
  • Wer überhaupt nicht mehr weiter weiß, sollte sich professionelle Hilfe suchen.

Der erste Liebeskummer

Die meisten Menschen erleben Liebeskummer und Herzschmerz zum ersten Mal im Teenager-Alter. Wenn Jugendliche unter der unstillbaren Sehnsucht nach einem Menschen leiden, der unerreichbar für sie ist, fühlen sie sich zutiefst unglücklich. In der Pubertät werden Empfindungen besonders intensiv erlebt – dazu gehören auch die zärtlichen Gefühle des Verliebtseins. Jugendlieben, die während der gemeinsamen Schulzeit entstanden sind, gehen oftmals nach der schulischen Ausbildung auseinander. Wenn einer der Partner in eine andere Stadt zieht, um ein Studium zu beginnen, wenn beide unterschiedliche Interessen oder Hobbys entwickeln oder sich neue Freunde zulegen, kann sich herausstellen, dass eine Partnerschaft keine Zukunft hat.

Wenn eine Jugendliebe zerbricht, kann das den Betroffenen schwer zu schaffen machen. Während Mädchen bzw. junge Frauen in ihrem Herzschmerz meist das Bedürfnis haben, sich der besten Freundin, der Schwester oder der Mutter anzuvertrauen, verarbeiten Jungen und junge Männer ihren Liebeskummer meist in der Zurückgezogenheit. Dies bedeutet nicht, dass sie weniger unter einer Trennung leiden. Sie brauchen lediglich mehr Zeit, um über ihre Emotionen zu reden. Eltern sind häufig sehr besorgt, wenn der Sohn oder die Tochter wegen Liebeskummer und Herzschmerz sichtbar niedergeschlagen ist. Tatsächlich aber vergessen Jugendliche in den frühen Teenager-Jahren Kummer recht schnell wieder. Eine Liebe in den späten Teenager-Jahren dagegen bleibt häufig unvergessen. Zahlreiche Liebesfilme haben das unerwartete Wiedersehen mit einer alten Jugendliebe und das sich daraus ergebende Gefühls-Chaos zum Thema.

Wie Frauen und Männer unterschiedlich Liebeskummer überwinden

Liebeskummer betrifft aber keinesfalls nur Teenager. Menschen in jedem Alter können unter Trennungsschmerz leiden. Ebenso spielt es keine Rolle, welcher Berufsgruppe die Betroffenen angehören: Politiker und Führungskräfte werden davon ebenso betroffen wie Arbeiter oder Hausfrauen. Wobei auch für erwachsene Menschen gilt, dass Männer und Frauen unterschiedlich mit ihrem Herzschmerz umgehen. Frauen sprechen offener über das, was sie bedrückt – mit Kolleginnen und Freundinnen oder auch mit ihrem Friseur. Erst, wenn auch das nicht weiter hilft, ziehen sie in Erwägung, sich von einem professionellen Berater helfen zu lassen. Männer dagegen hüllen sich meist in Schweigen und vertrauen sich nicht einmal ihrem besten Freund an. Anstatt anderen gegenüber ihre Hilflosigkeit einzugestehen, setzen sie lieber auf Verdrängungs- oder Beschäftigungsstrategien: Sie stürzen sich in Arbeit oder sexuelle Abenteuer, um den Kummer zu vergessen und das angeknackste Selbstvertrauen wieder herzustellen. Aufgrund der traditionellen Geschlechterrollen stellt Liebeskummer oder Herzschmerz aus ihrer Sicht auch heute noch eine Schwäche dar, deswegen entscheiden sie sich erst im schlimmsten Fall dafür, sich an einen Profi zu wenden, bei dem sie davon ausgehen können, dass er Stillschweigen bewahrt.

Wer nach vielen gemeinsamen Jahren vom Partner verlassen wird, befindet sich in einer Schock-Situation. Psychologen sprechen von mehreren Phasen, die bei jeder Trennung durchlaufen werden, bis die Betroffenen wieder ins Gleichgewicht gelangen. Die verlassene oder zurückgewiesene Person ist zunächst einmal durcheinander und verwirrt, sie will nicht wahrhaben, dass die Liebe zum (Ehe-)Partner nicht mehr erwidert wird. Bevor die Situation mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen erfasst und akzeptiert wird, verdrängt oder beschönigt der oder die Betroffene die Lage. Erst, wenn der oder die Zurückgewiesene damit aufhört, die Trennung nicht wahrhaben zu wollen, wird der Liebeskummer akut.

Eine Trennung bringt Verunsicherung

Wenn eine Trennung oder Scheidung beschlossene Sache ist, brechen oftmals heftige Gefühle auf. All das, was in der Ehe oder Partnerschaft scheinbar selbstverständlich war, hat keinen Bestand mehr. Der verlassene Partner fühlt sich hilflos und einsam, vor allem, wenn er „aus heiterem Himmel“ mit der Trennungsabsicht konfrontiert wurde. Einige Menschen sehen keinen Sinn mehr in ihrem Leben und beschäftigen sich mit Selbstmordgedanken, andere schmieden finstere Rachepläne. Es ist nur schwer zu verstehen, warum der Andere die gemeinsame verbrachte Zeit offensichtlich einfach ausradieren will. Ständig grübelt man über das „Warum“ nach. Der Gedanke „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“ geht den Betroffenen nicht aus dem Kopf.

Personen, die ihr Leben ganz nach dem Partner ausgerichtet haben, leiden besonders unter einer Trennung. Sie können sich nur schwerlich vorstellen, wie ihr Leben ohne den anderen weitergehen soll. Wenn sie künftig nicht mehr die Hauptrolle an der Seite des geliebten Menschen spielen sollen, welche Rolle sollen sie dann übernehmen? Wie sollen die gemeinsamen Gewohnheiten und Rituale ersetzt werden? Was soll an die Stelle der ehemals gemeinsamen Zukunftspläne treten? Die unvermeidliche Änderung der Lebensumstände sorgt für tiefe Verunsicherung.

Daneben spielen auch materielle Sicherheitsgedanken eine Rolle. Die Beziehung war vielleicht mit einer gewissen finanziellen Absicherung oder einem bestimmten Lebensstandard verbunden, der nun gefährdet erscheint. Vielleicht hat die Trennung den Verlust einer Wohnung oder eines Hauses oder aber die Aufgabe eines gesellschaftlichen Status zur Folge. All dies führt vielfach dazu, dass Betroffene sich als unvollständig empfinden, als halber Mensch, der ohne die andere Hälfte nicht leben kann.

Seelische und körperliche Auswirkungen von Herzschmerz

Die empfundene innere Leere, die sich oftmals nach einer Trennung einstellt, verleitet manche Menschen dazu, zu Alkohol oder Tabletten zu greifen. Sie empfinden ihre seelischen Schmerzen so, als ob sie eine offene Wunde hätten und glauben, es bringe ihnen Erleichterung, den Schmerz auf diese Weise zu betäuben. Sie sind apathisch und/oder depressiv, auch handeln sie nicht rational und sind vernünftigen Argumenten nicht zugänglich. Wenn Freunde oder Familienmitglieder versuchen, den Betroffenen zu erklären, sie müssten sich mit der Realität abfinden und versuchen, das Beste daraus zu machen, ernten sie nichts als Unverständnis.

Abgesehen von den seelischen Auswirkungen kann Liebeskummer sich auch auf der körperlichen Ebene bemerkbar machen. Besonders häufig treten Kopf- und Bauchschmerzen sowie Appetitlosigkeit auf. Hinzu kommen Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und Nervosität. Dass sprichwörtlich von „Herzschmerz“ die Rede ist, hat seinen Grund: Das Herz reagiert sehr stark auf Stress. Mediziner kennen das „Broken-Heart-Syndrom“, das üblicherweise nach außergewöhnlichen Stress-Situationen auftritt, wie zum Beispiel nach dem Tod eines geliebten Menschen. Das EKG sieht bei den Betroffenen ähnlich wie nach einem Herzinfarkt aus. Ursache hierfür sind Herzfunktionsstörungen: Die kleinen Herzkranzgefäße sind verkrampft, der Herzmuskel wird mangelhaft durchblutet, dabei sind die Gefäße vollkommen durchgängig. Stressreduzierende Medikamente bringen in den meisten Fällen Linderung, doch bei etwa fünf Prozent der Fälle endet das Broken-Heart-Syndrom tödlich.

Was hilft gegen Liebeskummer?

Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Jemandem, der gerade eine schmerzliche Trennungsphase durchlebt, mögen diese Worte wie Hohn erscheinen. Besonders an den Wochenenden und an Feiertagen, wenn man andere Paare Arm in Arm spazieren gehen sieht, kann die Traurigkeit und Verzweiflung übermächtig werden. Gesellschaftliche Anlässe werden vielleicht gemieden, aus Angst, wie „das fünfte Rad am Wagen“ dazustehen. Doch lässt die Angst vor dem Alleinsein irgendwann nach. Nach der ersten Phase, in der man eine Trennung noch nicht wirklich wahrhaben will und der zweiten, der Trauerphase, folgt die Verarbeitungsphase. Die Gedanken hören auf, nur um den Ex-Partner zu kreisen. Die Frage „Wie soll es ohne den Partner bloß weitergehen“ weicht neuen Plänen und Zielen, neue Kontakte werden geknüpft. Wie lange es dauert, bis schließlich wieder Licht am Horizont zu sehen ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Doch auch, wenn mit der Zeit wieder unbeschwerte Momente erlebt werden, wenn das alltägliche Leben wieder im Vordergrund steht, können selbst nach längerer Zeit immer wieder Erinnerungen auftauchen, die den Schmerz wieder ins Bewusstsein bringen. Es gibt keine Norm dafür, wann der Herzschmerz endgültig überwunden sein muss. Ebenso gibt es keine Altersgrenze für Liebeskummer. Wer nach einer langjährigen Partnerschaft oder Ehe verlassen wird, empfindet ähnlich intensive Gefühle wie nach dem Tod einer geliebten Person. Daneben kann es auch Menschen in einem reiferen Alter passieren, dass sie sich noch einmal Hals über Kopf verlieben und nach einer Weile feststellen müssen, dass ihre Liebe nicht im gleichen Maße erwidert wird. In jedem Fall dauert es eine gewisse Zeit, bis Betroffene ihren Schmerz bewältigt und den Liebeskummer überwinden.

Tipps gegen Liebeskummer

Wenn der Trennungsschmerz noch frisch ist, stehen Betroffene unter Schock. Auch heroische Naturen sind nicht dagegen gefeit, von ihren Gefühlen überwältigt zu werden. Enttäuschung, Wut, Trotz und eine gehörige Portion Selbstmitleid sind völlig normal. Darum wird auch dazu geraten, all diese Gefühle bei Liebeskummer und Herzschmerz zuzulassen und sich die erforderliche Zeit für ihre Verarbeitung zu nehmen. Denn wie auch nach dem Tod eines geliebten Menschen ist eine gewisse Trauerarbeit erforderlich. Nicht selten dauert es Monate bis die vierte und letzte Phase, die Akzeptanzphase, erreicht wird und der Herzschmerz überwunden wird.

Es ist wichtig, nicht zu versuchen, seine Gefühle zu unterdrücken. Besser als seinen Ärger und seine Verzweiflung mit sich alleine auszumachen, ist es, sich jemanden zu suchen, mit dem Sie sprechen und bei dem Sie sich auch einmal richtig „ausheulen“ könne, wenn es sein muss. Nur, wer seinen Kummer heraus lässt, wird ihn irgendwann auch einmal verarbeiten können. Manchen Menschen hilft es auch, ihre Gedanken aufzuschreiben. Das Führen eines Tagebuchs kann ebenso dienlich dabei sein, Ordnung in das Gefühlschaos zu bringen.

Der Kontakt zum Ex-Partner sollte unbedingt vermieden werden, selbst wenn es schwer fällt. Denn wenn Sie den oder die Ex immer wieder sehen, flammt jedes Mal die Hoffnung auf eine Versöhnung auf, die sich jedoch meist nicht erfüllt. Auch der mit dem Liebeskummer verbundene Schmerz bekommt immer wieder neue Nahrung. Sie sollten nicht nur jeglichen Kontakt per Telefon oder Email abbrechen, auch eventuelle Freundschaften auf sozialen Netzwerken sollten konsequenterweise beendet werden. Auch wenn der Ex-Partner die Worte ausgesprochen hat: „Wir können Freunde bleiben“, sollten Sie zumindest für eine gewisse Zeit auf Abstand bleiben. Denn dieser Satz bewirkt beim Verlassenen ein Verbleiben im Zustand der Hoffnung, wodurch sich eher Verwirrung denn Klarheit einstellt. Nur eine klare Trennung bringt die Chance, sich nach dem Aufarbeiten der Partnerschaft und der Trennung wieder zu treffen und sich in bestimmten Bereichen wieder auszutauschen.

Aus Ihrem Umfeld sollten Sie jegliche Gegenstände verbannen, die an den Ex-Partner erinnern. Eine Möglichkeit besteht darin, Fotos und andere Erinnerungsstücke in eine Kiste zu packen und diese auf den Speicher oder in den Keller zu stellen. Hilfreich kann es zudem sein, die gesamte Wohnung neu zu gestalten oder zu dekorieren. Ebenso sollten Sie in der ersten Zeit nach einer Trennung Orte meiden, die Sie mit dem Ex-Partner zusammen besucht haben. Auch Musik, die an gemeinsame Erlebnisse erinnert, sollte tabu sein.

Es ist völlig normal, dass die Gedanken nach einer Trennung zunächst noch häufig um die gemeinsame Vergangenheit kreisen. Doch sollten Sie bewusst versuchen, sich auf andere Gedanken zu bringen. Hierbei kann ein Aktivitätenplan wertvolle Hilfe leisten, insbesondere für Wochenenden und Feiertage. Wer unter Liebeskummer leidet, sollte sich zwar nicht überfordern, doch tut es gut, aktiv zu werden, auch wenn Ihnen zunächst nicht danach zumute ist. Zu empfehlen ist körperliche Betätigung, zum Beispiel durch Sport. Wer sich ein- oder mehrmals in der Woche richtig auspowert, fördert damit die Ausschüttung von Endorphinen im Körper, den so genannten Glückshormonen. Diese Hormone können von akutem Liebeskummer Betroffene wirklich gut gebrauchen.

Krisen sind im Leben immer eine Triebfeder für Veränderungen. Insofern bringt eine Trennung auch Chancen mit sich. Wenn Sie beispielsweise dem Partner zuliebe auf die Ausübung eines Hobbys verzichtet haben, so müssen Sie darauf nun keine Rücksicht mehr nehmen. Auch ein neuer Kleidungsstil oder eine Typveränderung sind dafür geeignet, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern, was dazu führt, dass Sie sich auch ohne Partner als wertvoller und liebenswerter Mensch empfinden. Auch sollten Sie sich selbst hin und wieder etwas Besonderes gönnen, auf das Sie vielleicht während der Ehe oder Partnerschaft verzichten mussten. Keinesfalls aber sollten Sie sich Hals über Kopf in eine neue Partnerschaft stürzen. Wer seine Trennung noch nicht aufgearbeitet hat, ist in Wahrheit noch nicht so weit, sich auf einen anderen Menschen oder eine neue Partnerschaft einzulassen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird er sich darum einen Partner bzw. eine Partnerin aussuchen, die an den oder die Ex erinnert. Das aber ist keine gesunde Basis für eine neue Beziehung.

Expertentipp:

Wer mit seinem Liebeskummer ganz und gar nicht alleine fertig wird, sollte sich nach professionellen Hilfsangeboten umsehen. Schon das Lesen eines Trennungsratgebers oder der Erfahrungsberichte anderer Betroffener leistet wertvolle Hilfe. Daneben lassen sich im Internet Foren finden, in denen Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können. Wer das Gefühl hat, all das bringe ihn auch nicht weiter, sollte sich nach Therapiemöglichkeiten in seiner Umgebung erkundigen.

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