Liebe oder Freundschaft - Was ist wichtiger?

Ein Freund. Ein guter Freund ... Freunde begleiten uns in unserem Leben. Vom Sandkasten, über die Schulzeit und die ersten Kneipentouren, bis hin zu unserem letzten Atemzug. Nicht immer – aber oft genug – handelt es sich über weite Strecken um dieselben Personen. Was, aber wenn die Liebe mit Macht in unser Leben getreten ist? Liebe oder Freundschaft? Müssen unsere Freunde dann respektvoll ein paar Schritte zurücktreten und unserem Partner das Feld überlassen oder bleiben sie so wichtig wie eh und je, wenn erst ein Ring an unserem Finger steckt?

Liebe oder Freundschaft?

Beziehung – und selbst Ehen – können scheitern, Freundschaften halten aber ein Leben lang. So heißt zumindest eine oft zitierte Weisheit. Und so ganz lässt sich das natürlich nicht von der Hand weisen. Immerhin ist die Loyalität von Freunden nicht von Hormonen abhängig. Wir sind nicht so stark emotional involviert. Wir lieben sie nicht und können nicht die Gefühle zu ihnen verlieren. Auch deshalb ist unser Verhältnis zu ihnen meist entspannter und toleranter. Ein Freund darf schon eher mal schlechte Laune haben, er darf sich problemlos mit anderen treffen und was er in irgendwelchen Betten treibt, ist uns – außer er bittet in diesen Dingen um Rat - erst einmal schnurzegal. Umgekehrt sind Freunde auch eher in der Position uns unbequeme Wahrheiten an den Kopf zu werfen als unser Partner. Und nicht zu vergessen: Die meisten Menschen haben gleich mehrere Freunde, wogegen sie in der Regel nur einen Partner haben.

Aus diesen Gründen sind Freunde den meisten Menschen fast so wichtig und manchen sogar noch wichtiger als der (Ehe) Partner. Diese Einstellung ist zunächst mal gar nicht so abwegig, denn wenn eine Partnerschaft in die Brüche geht oder, wenn es kriselt, sind es die Freunde, auf die man zählen kann und die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Man kann ja schwer zu seinem Partner gehen und ihm sagen: „Du Schatz, ich hab ein Problem mit meiner Frau!“ Und auch wenn man es nicht unbedingt so radikal sehen muss, dass man den Partner seinen Freunden unterordnet, sind diese Begleiter wichtig für uns. Nicht jeder ist dafür geschaffen als abgeschottetes Tandem nur mit seinem Partner durchs Leben zur radeln. Kontakt – auch Engerer – zu anderen Menschen ist im Leben gut und wichtig. Freunde bereichern. Und zwar nicht nur das eigene Leben. Auch eine Partnerschaft kann von den neuen Themen, Erlebnissen, Personen, gemeinsamen Aktivitäten oder Parties profitieren.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Klar, wenn man verliebt ist, ist der Partner naturgemäß wichtiger. Aber auch wenn man auf Wolke Sieben schwebt und man meint, dass von nun an nichts mehr schief gehen kann, ist es keine gute Idee seine Freunde vollkommen zu vergessen. Denn wer das, tut, steht im Fall einer Trennung oder Scheidung ganz schnell ganz alleine da. Dabei muss man ehrlicherweise einräumen, dass das Idealbild von Freundschaft sich auch nicht immer in der Realität widerspiegelt. Auch Freundschaften können in die Brüche gehen. Aber sie haben zumindest größere Chancen länger zu halten und sie verkraften es meist auch, wenn man sich mal länger nicht sieht.

Aus genau diesem Grund sollte man auch selbst seinem Partner nicht in seinen Freundeskreis hineinfunken, solange man selbst von ihm nicht völlig hintenangestellt wird. Immerhin hat jeder Mensch ein eine Vorgeschichte und hatte bereits ein Leben vor der Ehe. Und jeder hat dabei Menschen kennengelernt, die er nicht mehr missen möchte. Man sollte darauf achten, dass man nicht immer alleine rum hockt, sondern dass man auch seine eigenen Freunde „aktiviert“ wenn der Liebste mit seinen Jungs oder Mädels um die Häuser zieht.

Nimm zwei

Natürlich kann der Partner auch gleichzeitig der beste Freund sein und die Frage "Liebe oder Freundschaft" stellt sich gar nicht erst. Man kann auch mit ihm über alles reden, ordentlich feiern und viel Unsinn anstellen. Und dazu noch eine Menge schöner Dinge, die man mit einem Freund nie manchen würde oder tun wollte. Manchen reicht das. Manche Paare brauchen neben diesem romantischen Mikrokosmos niemand anderen mehr. Andere dagegen schon. Aber einen Nachteil haben Partnerschaften – und seien sie noch so schön – in jedem Fall: Wenn sich Paare trennen, ist es oft sehr schwer den Kontakt zu halten. Oft genug endet mit der Liebe auch jedwede zwischenmenschliche Beziehung.

Trotzdem: Vor allem wer seinen Partner geheiratet hat, hat sich entschieden, dass dies der Begleiter fürs Leben sein sollte. Unabhängig davon, ob das am Ende funktioniert oder nicht. Ein solcher Partner möchte nicht nur irgendjemand für einen sein. Er möchte eine wichtige – wenn nicht gar die zentrale – Rolle im Leben spielen. Und das sollte man respektieren. Das schließt natürlich gute Freunde nicht aus. Eine Partnerschaft ist ja nicht gleichzusetzen mit einem Besitzverhältnis das einen jedweder Eigenständigkeit und aller Aktivitäten jenseits der Zweisamkeit entreißt. Man bleibt auch als Teil einer Ehe eine eigenständige Person. Aber man sollte zumindest versuchen bei der Frage "Liebe oder Freundschaft" seine Aufmerksamkeit fair zwischen den Freuden und dem Partner aufzuteilen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, angefangen bei festen Männer- oder Frauenabenden bis hin zu gemeinsamen Aktivitäten von Freundeskreis UND Partner. Wer sich etwas Mühe gibt, für den gibt es auch kein Entweder-oder. Und mal ehrlich: Ein Mensch, der einem die sprichwörtliche Pistole auf die Brust setzt und sagt „Sie oder ich“ ist weder ein guter Freund, noch ein guter Partner.

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