Unglückliche Beziehung / Unglückliche Ehe

Die Vorstellung, nur der richtige Partner oder die richtige Partnerin gefunden werden muss, um glücklich zu sein, ist weit verbreitet. Da liegt es im Umkehrschluss nahe, die Ursachen beim Partner zu suchen, wenn Sie unglücklich in der Beziehung oder gar unglücklich verheiratet sind. Doch so einfach ist es nicht, denn für den Bestand einer Beziehung oder Ehe müssen beide Seiten ihren Anteil leisten.

Das Wichtigste zum Thema Unglückliche Beziehung/ Unglückliche Ehe für Sie:

  • Im Laufe einer Beziehung ändert sich die Art und Weise, wie Sie den Partner betrachten. Einige Menschen sehen irgendwann nur noch die aus ihrer Sicht negativen Eigenschaften des anderen und denken an eine Trennung.
  • In jeder Beziehung gibt es Konflikte aufgrund der Unterschiede zwischen den Partnern. Die Art der Auseinandersetzung entscheidet, inwieweit die Liebe davon beeinträchtigt wird.
  • Bei einigen Paaren bestehen Streitgespräche ausschließlich aus gegenseitigen Vorwürfen. Um solche Gespräche zu vermeiden, errichten sie eine Mauer des Schweigens, die ein Zeichen ihrer Entfremdung voneinander ist.
  • Auch wenn Sie unglücklich in der Beziehung oder unglücklich verheiratet sind, gibt es Argumente, die gegen eine Trennung sprechen. Sich einander wieder anzunähern, liegt in den meisten Fällen im Bereich des Möglichen.
  • Gespräche und Kompromissbereitschaft sind erforderlich, damit eine unglückliche Beziehung oder unglückliche Ehe wieder glücklich werden kann. Wo keine Liebe und keine Akzeptanz für den Partner mehr vorhanden ist, stehen die Zeichen auf Trennung.

Die Sichtweise auf den Partner verändert sich

Paare, die sich das Ja-Wort geben, werden bei ihrer Hochzeit kaum daran denken, dass sich die Gefühle für den oder die Auserwählte jemals ändern werden. Und doch bleibt die Mehrzahl der Ehepaare nicht davon verschont, dass sich zwischen den Partnern nach einigen Jahren ein Gefühl der Entfremdung einstellt, entweder ganz allmählich oder auch überraschend plötzlich. Die möglichen Ursachen für eine unglückliche Beziehung oder unglückliche Ehe sind vielfältig und haben ihre Wurzeln oft in Umständen, die mit der Beziehung der Partner zueinander gar nichts zu tun haben. In schlechten Zeiten scheinen manche Menschen jedoch dazu zu neigen, die Verantwortung ausschließlich bei der Person zu suchen, die ihnen am nächsten steht. Eine solche Betrachtungsweise ist jedoch ebenso wenig objektiv wie der Blick durch die rosarote Brille, mit dem wir unseren Partner in der Zeit der ersten Verliebtheit betrachtet haben.

Manche Menschen lenken, wenn sie in ihrer Beziehung nicht mehr so glücklich sind wie zu Beginn, ihre Aufmerksamkeit nur noch auf das, was sie an ihrem Partner stört. Auf diese Weise erfahren die guten Seiten des Partners keine Beachtung mehr, die negativen Eigenschaften und Verhaltensweise dafür umso mehr. Man sucht geradezu nach vermeintlichen Nachteilen, die man in der Beziehung erfährt und führt insgeheim eine „schwarze Liste“ mit Argumenten, warum der Partner nicht (mehr) der ideale Partner ist, den man sich wünscht. In solchen Situationen liegt unter Umständen ständig Streit in der Luft und Kleinigkeiten können ausreichen, um eine Auseinandersetzung auszulösen. Wo ständige Streitereien den Beziehungsalltag bestimmen, kann im Extremfall ein einziger Satz ausreichen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen, sprich, zur Entscheidung für eine Trennung führen.

Auseinandersetzungen sind kein Anzeichen für eine unglückliche Beziehung / unglückliche Ehe

Wer an eine Trennung oder Scheidung denkt, geht vielleicht davon aus, dass man mit einem neuen Partner glücklicher sein wird als mit dem Menschen, mit dem man derzeit zusammen lebt. Tatsächlich aber ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sich erneut an einen Partner binden wird, mit dem sich die gleichen Reibungspunkte ergeben wie in der aktuellen Partnerschaft. Für Außenstehende mag es nur schwer verständlich sein, warum einige Paare, die scheinbar ständig miteinander diskutieren, dennoch zusammen bleiben. Doch muss es nicht unbedingt der Fall sein, dass die Betroffenen unglücklich in ihrer Beziehung oder unglücklich verheiratet sind. Vielleicht haben sie erkannt, dass es in einer Beziehung unweigerlich Konflikte gibt, die praktisch nicht zu lösen sind, weil die Partner in bestimmten Aspekten zu unterschiedliche Einstellungen oder Auffassungen haben. Doch so lange sie sich miteinander auseinandersetzen, ohne sich auf ihre Positionen zu versteifen und den anderen mit Vorwürfen zu überhäufen, läuft ihre Liebe nicht Gefahr, von diesen Konflikten überwältigt zu werden.

Wenn einer der Partner sehr ordnungsliebend ist und der andere eher dazu neigt, die Dinge einfach irgendwo abzulegen, werden beide im Idealfall versuchen, dem anderen entgegen zu kommen. Der weniger ordentliche Partner bemüht sich um etwas mehr Ordnung und der andere verkneift sich, ständig herumzunörgeln, weil nicht alles an seinem Platz liegt. Beide wissen, dass sie den anderen nicht grundlegend ändern können und akzeptieren ihre Unterschiedlichkeit. Die unterschiedlichen Auffassungen von Ordnungsliebe werden zwar immer wieder zu Auseinandersetzungen führen, doch bevor ein Streit eskaliert, macht einer von beiden ein Friedensangebot, indem er den anderen in den Arm nimmt oder ihm eine Tasse Tee zubereitet. Paare, die auf diese Weise miteinander umgehen, vermeiden es nach Möglichkeit, die Situation zu verschlimmern und kennen Strategien, die ihnen dabei helfen, mit den Konflikten umzugehen. Vielleicht sind sie sich auch dessen bewusst, dass Probleme ein Bestandteil jeder Beziehung sind. Wer sich für einen Menschen entscheidet, mit dem er sein Leben verbringen möchte, wählt sich nicht nur einen Partner aus, sondern auch eine Reihe von Konflikten, die das Zusammenleben in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten begleiten werden.

Wenn aus Zuneigung Zurückweisung wird

Menschen, die davon ausgehen, sie könnten oder müssten ihren Partner ändern, damit er besser ihrem Ideal entspricht, fällt es schwer, mit Problemen in der Beziehung oder in der Ehe umzugehen, da sie die Verantwortung für ihr Glück oder Unglück vorwiegend bei der anderen Person suchen. Zwar gelingt es ihnen vielleicht, verhältnismäßig leicht lösbare Probleme oder leichtere Konflikte mit dem Partner zu bereinigen. Tatsächlich aber ist ein großer Teil der Differenzen, die in einer Beziehung oder Ehe auftauchen können, nicht vollkommen zu beseitigen. Die Gründe hierfür liegen hauptsächlich in charakterlichen Verschiedenheiten und unterschiedlichen Grundeinstellungen, auch verborgene und ungelöste Konflikte aus der Kindheit können eine Rolle spielen. Eine Eheberatung oder Paartherapie kann zwar dabei helfen, solche verborgenen Konflikte aufzuhellen, darüber hinaus kommt es aber auch auf den Umgang der Partner mit problematischen Situationen an, ob die Beziehung diese unbeschadet übersteht.

Paare, die es nicht schaffen, in Konfliktsituationen aufeinander zuzugehen, wiederholen bei einem Streit immer nur dieselben Argumente, ohne dass dies etwas bewirken würde. Frust und das Gefühl der Zurückweisung nehmen zu, während die Zuneigung füreinander allmählich auf der Strecke bleibt. Bei einer Auseinandersetzung bleiben die Partner häufig nicht bei dem Thema, das eigentlich der Auslöser für den Streit war, es wird vielmehr die gesamte Persönlichkeit des anderen in Frage gestellt oder angegriffen („Wann lernst du endlich mal, deine Sachen in Ordnung zu halten? Muss ich dir ständig alles hinterhertragen?“). Diese Art des Umgangs miteinander ist für beide Seiten zermürbend und führt häufig mit der Zeit dazu, dass die Partner versuchen, bestimmte Themen zu vermeiden. Doch handelt es sich hierbei nicht etwa um ein einvernehmliches Schweigen zwischen zwei Menschen, die einander ohne Worte verstehen, sondern um eine trennende Mauer. Wenn das Schweigen zwischen Eheleuten überhand nimmt, kann das als Zeichen dafür gewertet werden, dass sie schon dabei sind, sich emotional voneinander zu lösen.

Bevor es zur Trennung kommt…

Auch, wenn bei einem der Partner oder bei beiden zu einem bestimmten Zeitpunkt das Gefühl auftritt, eine Trennung sei der einzige Weg, um wieder glücklich werden zu können, sollten Sie doch einige Aspekte berücksichtigen, die gegen eine Trennung sprechen. All die Rituale und Gewohnheiten, die Sie als Paar entwickelt haben und die nun eventuell als nachteilig ausgelegt werden, beinhalten doch auch Vorteile. Jeder weiß um die Vorlieben, um die Stärken und Schwächen des jeweils anderen, keiner von Ihnen muss eine Rolle spielen. Sie haben eine gemeinsame Vergangenheit, ebenso wie gemeinsame Wünsche, Ziele und Wertvorstellungen. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass eine unglückliche Beziehung oder unglückliche Ehe niemals nur auf das Verhalten der anderen Person zurückgeführt werden kann. Wenn Sie es in einer bestehenden Beziehung bislang nicht geschafft haben, dass die eigenen Wünsche in zufriedenstellendem Maße erfüllt werden, gibt es keine Garantie dafür, dass Sie dies in einer neuen Beziehung erreichen werden.

Oftmals beruht Unzufriedenheit allerdings auch auf übergroßen Erwartungen. Sie werden einen Partner, der nicht den eigenen Idealvorstellungen entspricht, nicht ändern können, wenn er nicht dazu bereit ist. Was Sie dagegen ändern können, sind die eigenen Erwartungen, nachdem Sie sie einer sorgfältigen Prüfung unterzogen haben.

Wenn die Partner sich innerhalb einer Ehe oder Beziehung bereits über einen längeren Zeitraum hinweg nur noch in einer angespannten Atmosphäre begegnen, mag es schwierig sein, sich einander wieder anzunähern. Unmöglich ist dies jedoch so gut wie nie. Bestenfalls fassen beide gemeinsam den Entschluss, sich aus der scheinbar festgefahrenen Situation zu befreien. In diesem Fall werden sie sich mit den Ursachen für ihre Streitereien befassen und nach Wegen suchen müssen, diese zu beseitigen. Sicherlich haben beide noch Erinnerungen an eine Zeit, in der Ärger und Streit nicht an der Tagesordnung waren. Was hat sich seitdem verändert? Oft ist den Partnern nicht bewusst, dass auch unterschwellige Ängste, wie die Angst vor Kontrollverlust, dazu führen können einen Streit anzuzetteln. Um solche verborgenen Ursachen aufzuspüren, kann die Begleitung durch einen Paartherapeuten sinnvoll sein.

Suchen Sie das Gespräch, wenn Sie unglücklich in der Beziehung oder unglücklich verheiratet sind

Wer bestehende Probleme in der Ehe oder Beziehung in Angriff nehmen will, sollte nicht darauf warten, dass der andere die Initiative ergreift, denn dies wäre wiederum ein Abschieben der Verantwortung auf die andere Person. In der Regel sind gemeinsame Gespräche unerlässlich, um Konflikte zu lösen, doch es kommt dabei immer darauf an, wie ein solches Gespräch geführt wird. Viele Beziehungen oder Ehen enden nicht etwa deswegen, weil die Beteiligten sich oft streiten, sondern weil die Vermeidung von Streit die Ehepartner so sehr voneinander entfernt hat, dass das Gefühl der Verbundenheit verloren gegangen ist. Wer sich also dazu entschließt, ein strittiges Thema zur Sprache zu bringen, sollte sich darum bemühen, den anderen nicht mit Kritik zu überfallen. Denn ein Gespräch, das mit Vorwürfen beginnt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch spannungsreich beendet werden. Eine Unterhaltung dagegen, die in einem freundlichen Ton begonnen wird, hat alle Chancen, produktiv geführt zu werden. Es mag sein, dass der Partner auch bei einer freundlichen Ansprache negativ reagiert, da er verächtliche Bemerkungen oder Kritik befürchtet, wenn diese in der Vergangenheit den Umgangston bestimmt haben. In diesem Fall sollten Sie sich nicht dazu hinreißen lassen, in schädliche (wenn auch gewohnte) Verhaltensmuster zu verfallen und eine Eskalation vermeiden, indem Sie bei einer ruhigen Sprechweise bleiben.

Es lässt sich nicht immer vermeiden, dass sich in Streitgesprächen zwischen Ehepartnern eine gewisse Spannung entwickelt, doch sollte möglichst nicht zugelassen werden, dass diese letztlich wieder in Vorwürfen und Beschuldigungen mündet. In diesem Sinne sind auch Unterbrechungen oder Einwände des Partners nicht einfach abzuschmettern. Überhaupt sollten Sie Abstand davon nehmen, dem Gegenüber von vorneherein schlechte Absichten zu unterstellen. Das, was vom Anderen vorgebracht wird, sollte vielmehr möglichst als Beitrag zur Findung einer Lösung des Problems angesehen werden, auch wenn diese Sichtweise schwerfällt. Wenn die Partner in einem Gespräch nicht weiter kommen und die Gemüter sehr erhitzt sind, ist es sinnvoll, die Unterhaltung zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. Das Recht, ein Gespräch zu unterbrechen, weil Sie sich zu einem bestimmten Moment überfordert fühlen oder sehr wütend oder verletzt sind, sollten Sie beide sich unbedingt gegenseitig einräumen.

In einer unglücklichen Beziehung oder Ehe, in der schon seit einiger Zeit „Funkstille“ herrscht, wird wahrscheinlich einer der Partner zuerst das Empfinden haben, dass er unzufrieden ist und darüber reden wollen. Wenn konstruktive und fruchtbare Gespräche in der Vergangenheit eher die Ausnahme waren, kann es jedoch eine Zeit dauern und erfordert Geduld, bis wieder ein anregender Austausch stattfindet. Die Erwartungen sollten nicht zu hoch geschraubt werden. Ein guter Einstieg sind Gespräche am Ende des Arbeitstages, bei dem die Partner einander darüber berichten, wie der Tag gelaufen ist. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, den richtigen Zeitpunkt für eine solche Unterhaltung zu wählen. Einige Menschen wollen gleich alles loswerden, sobald sie das Haus betreten haben, andere brauchen erst einmal eine Zeit für sich alleine, bevor sie dazu bereit sind, mit anderen zu reden. Diese Gespräche können, wenn sie regelmäßig und mit Aufmerksamkeit geführt werden, ein wichtiges Hilfsmittel für die Ehepartner sein, um den Stress anzubauen, der nicht durch die Ehe verursacht wurde. Partnerschaftskonflikte sollten in dieser Zeit, die Paare sich täglich einräumen sollten, außen vor bleiben. Ehrliches Interesse, aufmerksames Zuhören und kleine Gesten, mit denen die Zuneigung zum anderen unterstrichen wird, können dazu beitragen, das Gefühl der Verbundenheit zwischen den Partnern zu stärken.

Kompromissbereitschaft

Ob Sie es wahrhaben möchten oder nicht: Um eine unglückliche Beziehung oder unglückliche Ehe zu vermeiden, ist Kompromissbereitschaft erforderlich. Voraussetzung hierfür ist, dass beide Partner offen für die Meinungen und Wünsche des jeweils anderen sind. Stets darauf zu beharren, Recht zu haben, ist sicher kein geeigneter Weg, um in einer unglücklichen Beziehung oder unglücklichen Ehe wieder glücklich zu werden. Auch das Festhalten an dem Standpunkt, es gäbe keine Probleme mehr, wenn der Partner sich nur ändern würde, ist wenig konstruktiv. Wer nicht bereit ist, die Schwächen und „Fehler“ des anderen zu akzeptieren, wird viel Energie bei dem Versuch vergeuden, den Partner zu verändern zu wollen und trägt dabei nicht zur Schaffung einer gemeinsamen Grundlage für ein harmonisches Miteinander bei.

Wer zu Kompromissen nicht bereit ist, wird den Partner letztlich nicht so annehmen können, wie er ist. Wer sein Herz gründlich geprüft hat und zu dem Ergebnis gekommen ist, dass er den Partner, seine Persönlichkeit und sein Verhalten nicht (mehr) akzeptieren kann und seine Liebe für den Partner erloschen ist, wird sich wohl in der Konsequenz für eine Trennung entscheiden und vielleicht versuchen, in einer neuen Partnerschaft sein Glück zu suchen.

5.0 von 5 (1)