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Wunschzettel fürs Glück

 
 

Beziehungscoach Sören Tempel hält seit 2006 in seiner Praxis in Berlin Kreuzberg etwa 600-700 Einzel- und Paarsitzungen pro Jahr ab. Er hat bis jetzt über 700 Klienten begleitet. Der Erfolg seiner Arbeit liegt darin, dass die Paare seine Praxis mit einem Lächeln im Herzen wieder verlassen. Im Interview mit Ehe.de erfahren wir Interessantes:

Ehe.de: Herr Tempel, Sie haben eine sehr empathische Art und Weise, auf Menschen einzugehen. Wie wichtig ist ein“ liebevoller Umgang“ zwischen Therapeut und den Männern und Frauen, die zu Ihnen kommen?

Sören Tempel: Es gibt einen Unterschied zwischen einem „liebevollen Umgang“ (dies ist eine Handlung) und der Liebe selbst (dies ist eine Energie, ein Gefühl). Auf beides reagieren die Menschen positiv, sie vertrauen, können sich öffnen. Neben dem liebevollen Umgang (den ich die „Haltung der Liebe“ nenne) versuche ich, auch die Energie der Liebe in eine Sitzung einzubringen. Dadurch kann sich der ganze Organismus beruhigen, der Mensch fühlt sich sicher und wohl und ist in der Lage, über sich nachzudenken und neue Ideen anzunehmen.

Ehe.de: Welche Rolle spielt die Psyche in Ihren Sitzungen?

Sören Tempel: Ich definiere den Begriff „Psyche“ als den Teil unserer Denkfähigkeit, der im Sinne und quasi im Auftrage der Seele und der Selbstverwirklichung arbeitet. Den Gegenspieler der Psyche nenne ich den „Verstand“ und meine damit den Bereich unserer Denkfähigkeit, der ausschließlich überleben, sich fortpflanzen und Recht haben will. Ich differenziere hier, da in der Literatur häufig die gesamte Denkfähigkeit als „Verstand“ bezeichnet und verteufelt wird. Das macht keinen Sinn, denn jedes Gespräch adressiert in erster Linie an die Denkfähigkeit und erst von dort aus in die Tiefe. In so fern spielt die Psyche und das Verstehen von Zusammenhängen in meiner Arbeit eine große Rolle.

Ehe.de: Was sind die Grundthemen Ihrer Arbeit?

Sören Tempel: Die Entwicklung einer Wahrnehmung dafür, dass wir einerseits ein biologisches Wesen sind, welches mit Hilfe des „Verstandes“ (siehe oben) lediglich überleben, sich fortpflanzen und rechthaben will. Und andererseits ein „Herzenswesen“, welches sich verwirklichen und lieben will. Diese Dualität zu erleben, mit Hilfe der „Psyche“ (siehe oben) zu verstehen und dafür zu sorgen, dass das Herzenswesen führt, ist das Grundthema meiner Arbeit.

Ehe.de: Worin liegen die häufigsten Partnerschaftsprobleme?

Sören Tempel: In einem durch Überlastung geprägten Alltag versuchen die Menschen oft ihre Beziehung auf die sachliche, die Team-Ebene, zu reduzieren. Das funktioniert nicht, denn die Abwesenheit von gelebter Liebe (und auch Sexualität) macht unbewusst aggressiv. Aus dieser Aggression heraus wird um Sachlichkeiten, Richtig oder Falsch und Situationen gestritten, die eigentlich nur Stellvertreter für das unbewusste Hauptthema - den Kampf um Liebe - sind.

Weiterhin beobachte ich, dass sich teilweise sehr unterschiedliche Menschen anziehen. Dies geschieht, weil sie etwas sehr wichtiges von dem anderen zu lernen haben. Wenn dieser Lernprozess nicht vollzogen wird, wird irgendwann genau die Eigenschaft, die man von seinem Partner so dringend zu lernen hat, bei dem anderen radikal und aggressiv abgelehnt.

Ehe.de: Ihr abwechslungsreiches Leben, sprich Ihre Liebe zur Musik und zum Extremsport, haben Sie in Ihrem Wirken geprägt. Was geben Sie den Ratsuchenden davon weiter?

Sören Tempel: Meine wirkliche Qualifikation sind nicht die Ausbildungen, die ich durchlaufen habe, sondern die Weite des Weges, den ich selber gegangen bin. Die meisten der Probleme meiner Klienten habe ich selber gehabt. Mein Weg ist noch lange nicht am Ende, ich bleibe ein Lernender, und davon profitieren auch meine Klienten.

Ehe.de: Thema Sexualität – sie ist ein wichtiger Baustein in einer Beziehung. Was sind hier die häufigsten Problemfelder?

Sören Tempel: Die Sexualität ist Ausdruck des wichtigsten Aspekts einer guten Partnerschaft: Der Intimität. Wenn es hier Problemfelder gibt, zeigen diese sich als Symptom auf der Ebene der Sexualität. Häufig fehlt es den Menschen an der Fähigkeit, in tiefen Kontakt mit sich selber zu treten, sich zu spüren. Nur aus diesem Kontakt, einer liebevollen Beziehung mit sich selbst und seinem Körper, kann wirklicher Kontakt zum Partner hergestellt und zugelassen werden. Um eine Klientin zu zitieren: „Der Abstand zwischen mir und meinem Partner ist doch immer nur der Abstand zwischen mir und mir selber“. Wenn dieser innere Kontakt zu sich und dem anderem auch im Bett aufgebaut werden kann, führt dies beinahe zwangsläufig in eine wundervolle Sexualität.

Ehe.de: Wenn gar nichts mehr geht, raten Sie dann zu einer Trennung?

Sören Tempel: Direkt raten: Nein. Meine Aufgabe ist Klärung; ich zeige Konsequenzen auf. Viele Paare kommen zu spät, innerlich ist die Trennung manchmal von einem oder auch beiden schon vollzogen. Auch sind bestimmte Wachstumsschritte manchmal nicht innerhalb einer Beziehung machbar.

Ehe.de: Berühren die Menschen mit ihren Einzelschicksalen Ihr Herz?

Sören Tempel: Ja, tief. Aber nicht im Sinne von Trauer, Schmerz oder Mit-Leiden, sondern als reines Mitgefühl. Die Eigenverantwortung eines jeden Menschen habe ich als Gefühl tief verankert, und so nehme ich die Themen nicht mit nach Hause. Das erlaubt mir, mich und mein Herz in jede Sitzung voll hineinzugeben – und zu meiner großen Freude scheint dies den Menschen zu helfen.

Ehe.de: Was ist Ihr Wunschzettel für eine glückliche Beziehung?

Sören Tempel: Eine gute Balance zwischen Ich-Bezogenheit und Partner-Bezogenheit als Basis für tiefe Intimität. Professionalität, Verlässlichkeit und Verbindlichkeit im Teambereich der Beziehung und tiefes Fühlen und Genießen im Bereich der Liebenden. Zeit füreinander. Lebendiges und andauerndes Interesse aneinander. Gemeinsame Projekte. Das Gefühl von „kein Mangel“. Eine wundervolle, erwachsene, spielerische Sexualität, die in erster Linie eine wirkliche, differenzierte Begegnung ist und weniger der reinen Triebbefriedigung dient. Mut, Hingabe, Bewegung und.....Liebe.

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