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Kein Grund zum schmollen! Männer die Seitensprünge locker wegstecken, sind bei der Fortpflanzung im Vorteil. (© Gina Sanders - Fotolia.com)

Studie: Toleranz beim Fremdgehen lohnt

 
 

Ein Seitensprung kann ganz schön wehtun. Umso mehr, wenn aus dem Fehltritt ein Kind entsteht. Auf diese Weise gehörnte Männer stehen vor einem Dilemma: Einen Schlussstrich ziehen oder der Partnerin verzeihen und sich um das „Kuckuckskind“ kümmern? Eine Studie der britischen Oxford University legt nahe, dass Letzteres durchaus Sinn machen kann. Männer, denen es schnuppe ist, ob Ihre Frau fremdgeht, folgen demnach womöglich einer – biologisch gesehen - schlauen Strategie. Und das sogar dann, wenn sie bereit sind, sich um fremden Nachwuchs zu kümmern.

Du darfst Papa zu mir sagen

Wie man auf diesen – auf den ersten Blick abwegigen – Gedanken kommt?

Im Tierreich gibt es viele Arten, bei denen die Männchen sich um das „Ergebnis“ der Untreue ihrer Weibchen kümmern. Und das, obwohl sie von dem Treuebruch wissen. Bisher ging man davon aus, dass Männchen, die auf diese Weise handeln, einen großen Fehler begehen. Immerhin ist der Aufwand, der für die Ernährung und Erziehung eines Kindes nötig ist, enorm. Und das nicht nur beim Menschen. Bei einem durchschnittlichen Gartenvogel entspricht der betriebene Aufwand für die Kindesaufzucht nach menschlichen Maßstäben ungefähr den Anstrengungen der Tour de France. Das ist für ein Kind, das nicht Mal die eigenen Gene in sich trägt keine Kleinigkeit. Warum also handeln diese Männchen so verantwortungsbewusst und scheinbar selbstlos?

Um dem Phänomen auf die Schliche zu kommen, untersuchten Forscher von den Universitäten Oxford, Lind und Yale, 48 verschiedene Arten von Insekten, Fischen, Vögeln und Säugetieren – darunter auch Menschen.

Vergebung mit Kalkül

Das Ergebnis: Anscheinend passen die Männer Ihre Fürsorge an, je nachdem wie wahrscheinlich ein Fremdgehen ist und ob sie davon ausgehen können, dass sie sich durch ihre Fürsorge in Zukunft um weniger fremde Kinder kümmern müssen. Dabei spornen untreue Frauen aber auch nicht gerade zu Höchstleistungen in der Kindererziehung an. Weibchen, die es mit der Treue nicht so genau nahmen, sorgten nämlich quer durch alle untersuchten Tierarten für eine um 12% geringere Fürsorge Ihrer Männer.

Dr. Ashleigh Griffin, Zoologe, an der Oxford Universität räumt, ein, dass es unlogisch scheint, dass Männchen so viel Aufwand betreiben für Nachwuchs, der mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die eigenen Gene trägt. Männer würden aber ständig die Vor- und Nachteile ihrer Fürsorge im Hinblick auf ihren langfristigen Reproduktionserfolg abwägen.

Wenn also die zukünftige Wahrscheinlichkeit des Fremdgehens niedrig ist und/oder der Aufwand für die Kinderaufzucht gering, macht es Sinn bei Seitensprüngen ein Auge zuzudrücken. So kann es zum Beispiel auch für Tiere, die bald sterben, vernünftig sein, alles auf eine Karte zu setzen. Zu verlieren haben sie ja nichts mehr. Auch bei Arten, bei denen Vielmännerei selten ist, würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem dem eigenen Nachwuchs schaden, wenn sich ein betrogenes Männchen beleidigt davon machen würde.

Keine Frage der Moral

Menschliche Männer unterscheiden sich hier interessanterweise kaum von ihren tierischen Kollegen. Wenn es um die Anpassung ihrer väterlichen Fürsorge an untreues Verhalten ihrer Partnerin geht, liegen Sie bei den untersuchten Tierarten im Mittelfeld.  Das bedeutet, dass sie ihre väterliche Fürsorge nach einem Treuebruch kaum reduzieren. Hieraus lässt sich nach Meinung der Forscher vielleicht der Schluss ziehen, dass hier die menschliche Moral in den tierischen Instinkten der Arterhaltung wurzelt.

Quelle: Oxford University

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