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Ramadan & Zuckerfest zu Zeiten von Corona

 
 

Diese Woche neigt sich der Fastenmonat Ramadan dem Ende zu und wird mit einem dreitätigen Fest, oft Zuckerfest genannt, abgeschlossen. Wie auch religiöse Feste für andere Glaubensgemeinschaften, wird dieses Fest ein völlig neues Erlebnis für die Muslime in Deutschland. In schwierigen Zeiten finden viele Menschen Trost und Kraft im Glauben - so ist auch Ramadan eine Zeit, seinen Glauben zu stärken und somit liegt in der momentanen Herausforderung auch eine Chance, den Fastenmonat für sich neu zu entdecken.

Fastenmonat Ramadan

Ramadan ist der neunte Monat nach dem islamischen Kalender. Während dieser Zeit fasten Muslime auf der ganzen Welt– das bedeutet kein Essen und kein Trinken von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Als vierte Säule des Islam ist das Fasten ist für jeden gesunden und erwachsenen Muslim Pflicht. Wer gesundheitlich nicht dazu in der Lage ist zu fasten, ist von dieser Pflicht entbunden. Der Zustand des Fastens muss sich nicht lediglich auf Essen und Trinken beschränken, so kann man auch mit dem restlichen Körper fasten, indem man auf seine Worte achtet, an seinem Verhalten und persönlichen Schwächen arbeitet. Man kann mit seinen Gedanken fasten, indem man negative oder abwertende Gedanken vermeidet.

Wie sieht ein typischer Ramadan eigentlich aus?

Nach dem islamischen Glauben wurde während Ramadan der Koran erstmals enthüllt, sodass diese Zeit auch besonders genutzt wird, um den Koran zu lesen, zu rezitieren und besser zu verstehen. Der Fastenmonat ist für die meisten Muslime Anlass, um an sich und seinen Schwächen zu arbeiten, mehr Zeit Gottesdiensten, arabisch: Ibadah, zu widmen und Dankbarkeit zu zeigen. Auch Wohltätigkeit und Spenden an Bedürftige werden in diesem Monat besonders geschätzt.

Nach einem langen Fastentag gehört das abendliche Fastenbrechen, das so genannte Iftar, im Kreise der Familie und gemeinsame Gebete in der Moschee typischerweise zu den besonderen Momenten. Normalerweise laden sich Familie, Freunde und Nachbarn gerne gegenseitig zum Fastenbrechen ein – Gastfreundschaft wird stets großgeschrieben, dies geht zur Zeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht. Auch das Zuckerfest beginnt typischerweise mit einem Festtagsgebet am frühen Morgen in der Gemeinschaft und wird mit Familie und Freunden gefeiert.

 

 

 

Zu Zeiten von Corona erleben die Muslime in Deutschland einen anderen Ramadan. Zwar sind Gebete in der Moschee seit Anfang Mai unter entsprechenden Schutz- und Hygienemaßnahmen wieder möglich, Normalität ist jedoch noch nicht wieder eingekehrt. Die Kontaktbeschränkungen variieren von Bundesland zu Bundesland. Die abendliche Fastenbrechen-Runde wird dennoch bundesweit deutlich kleiner und ruhiger ausfallen als gewöhnlich.

Not macht jedoch bekannterweise erfinderisch – so finden wegen der verschärften Kontaktregelungen nicht nur Meetings von der Arbeit online statt, auch viele Moscheen bieten Freitagspredigten und Ramadan-Nachtgebete über Livestream oder Videos an. So kann auch jeder von zu Hause etwas Moschee-Atmosphäre erleben. Anstatt gemeinsamem Fastenbrechen vor Ort, bieten viele Moscheen kleine Menüs zum Abholen an. Mit entsprechenden Schutz- und Hygienemaßnahmen werden diese Menüs für Bedürftige meist kostenlos, für Nicht-Bedürftige gegen eine Spende, angeboten und können zu bestimmten Zeiten abgeholt werden.

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Ramadan-Atmosphäre neugestalten

Für viele war es sicherlich eine schwierige Zeit, auf das Fastenbrechen und die Gebete in der Gemeinschaft zu verzichten. Jedoch liegt in so einer großen Veränderung auch immer eine Chance. Eine Chance, Altgewohntes und Traditionen noch mehr zu schätzen und eine Chance, auch in dieser Situation erfüllende Momente zu finden. Sobald es die Lage wieder zulässt, werden sich die gewohnten Familientreffen und Moscheebesuche noch besonderer anfühlen. Man weiß diese besonderen Segnungen noch mehr zu schätzen und kann seine Dankbarkeit darüber bekunden, was sonst im Alltagstrott oft untergeht.

Das Gefühl von Isolation und Einsamkeit kann belastend sein. Man kann diese Gefühle jedoch auch neu interpretieren und in diesem Zustand die Chance sehen, das eigene Leben losgelöst vom Alltagstrubel zu betrachten und sich auf das zu besinnen, was für einen wirklich wichtig ist. Religiös betrachtet, war der Zustand der Isolation und Not, sei es in der Torah, der Bibel oder im Koran, gerade der Zustand, in dem die Menschen Gottes, arabisch: Allahs, Rechtleitung und Gnade erfahren haben.

Ramadan ausklingen lassen

In diesem Sinne lässt sich der Ramadan auch zu Zeiten von Corona bedeutungsvoll gestalten. Dieser Fastenmonat hat sicherlich eine andere Facette von Gemeinschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt auszuleben gezeigt. Das anstehende Fest wird vielleicht nicht so gesellig und ausgelassen wie gewohnt, kann jedoch auch im kleineren Rahmen besonders gestaltet werden. Machen Sie das Beste daraus!