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Partner mit gleichem Beruf heiraten?

 
 

Ob Hollywood-Pärchen, Lehrerelterngespanne oder Ärztefamilien – es kommt immer wieder vor, dass Partner den gleichen Beruf ausüben. Diese Gemeinsamkeit kann durchaus Vorteile haben. Auch wenn vorrangig ohnehin die Zuneigung entscheiden sollte, ob Sie einen Partner mit gleichem Beruf heiraten, sollten Sie sich trotzdem auch gewisse Nachteile vergegenwärtigen.

Gleich und gleich gesellt sich gern?

Es verwundert nicht, wenn sich Partner mit gleichem Beruf kennenlernen und die Beziehung in der Ehe mündet. Vielleicht haben Sie sich bereits in der Ausbildung oder im gemeinsamen Studium kennengelernt und den gleichen Beruf ergriffen. Gerade bei sehr langen Studienfächern mit intensiven Lernphasen beschränkt sich das Umfeld oft auf Studierende eines Faches und so finden sich Paare, die später oft im gleichen Beruf arbeiten.

Selbst wenn Sie später im Beruf unterschiedliche Tätigkeiten ausüben, ist die Ausbildung die gleiche, was Gemeinsamkeiten schafft. Viele Partner lernen sich über den Beruf kennen, auch wenn sie nicht beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt sind. Vor allem in familiengeführten Unternehmen oder in freiberuflichen Kanzleien arbeiten Paare oft Seite an Seite. Bei der Hochzeit geht es dann auch oft um das Thema Ehevertrag. Am naheliegendsten ist es, wenn die Partner beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt sind und sich immer wieder über den Weg laufen.

Aber auch dann, wenn Sie bei unterschiedlichen Arbeitgebern tätig oder vielleicht freiberuflich tätig sind, gibt es viele Berührungspunkte, wenn Sie aus beruflichen Gründen miteinander in Kontakt kommen. Stellen Sie über die beruflich veranlasste Kommunikation hinaus fest, dass der Kollege oder die Kollegin auch als Mensch eine attraktive und sympathische Erscheinung ist, kann sich daraus schnell eine Beziehung entwickeln.

Warum entwickelt sich bei gleichem Beruf leicht eine Beziehung?

Sie haben bei gleichem Beruf den Vorteil, dass Sie von vornherein Themen haben, über die Sie sich unterhalten können. Sie brauchen nicht erst über belanglose Themen zu sprechen, um den Kontakt zueinander zu finden. Die Gemeinsamkeit des Berufes ist wie eine Brücke, über die Sie Vertrauen, Sympathie und nicht zuletzt Zuneigung aufbauen können:

  • Der Beruf kann ein identitätsstiftendes Merkmal sein. Wer sich mit seinem Beruf identifiziert, zeigt Interesse, wenn ein anderer den gleichen Beruf ausübt. Es gibt von Anfang an eine Basis, auf der man miteinander umgeht. Man spricht über Themen, die beide Partner aus beruflichen Gründen betreffen. Man tauscht sich auf einer kompetenten Ebene aus. Der eine profitiert von den Erfahrungen des anderen.
  • Der gleiche Beruf schafft Sympathien. Wenn Sie sich für einen Beruf entschieden haben, haben Sie sich vielleicht dazu berufen gefühlt. Übt eine andere Person den gleichen Beruf aus, besteht von vornherein die Sympathie für diese Person, weil Sie davon ausgehen, dass diese Person ihren Beruf mit der gleichen Empathie ausübt.
  • Und wenn Sie miteinander leben, haben Sie immer wieder ein Thema, mit dem Sie möglicherweise Phasen des Stillschweigens überbrücken können. Der gemeinsame Beruf und alles, was damit verbunden ist, gibt immer wieder Anlass, sich auszutauschen. Die Ansprache über ein berufliches Thema kann ein Türöffner sein, wenn Sie ansonsten Scheu oder den Widerwillen haben, den Partner anzusprechen. Auch die Sprachlosigkeit nach einem Streit könnte sich so überwinden lassen.

Welche Vorteile hat es, bei gleichem Beruf zu heiraten?

Berufliche Gemeinsamkeiten können folgende Vorteile haben:

Größeres Verständnis für die beruflichen Belange

Haben Sie beide den gleichen Beruf, könnten Sie davon profitieren, dass das gegenseitige Verständnis für das, was der andere tut, größer ist als wenn Sie unterschiedliche Berufe hätten:

  • Erzählen Sie aus Ihrem Berufsalltag, versteht der Partner viel besser, was Sie sagen und empfinden. Der Partner kann sich meist besser in Sie und Ihre berufliche Situation hineinversetzen.
  • Der Partner empfindet sich nicht als Außenstehender oder Laie, der nichts oder wenig davon versteht, was Sie beruflich tun und mit welchen Problemen oder Schwierigkeiten Sie im Arbeitsalltag zu tun haben.
  • Sie brauchen nicht viel zu erklären, weil Sie davon ausgehen dürfen, dass der andere alles versteht oder zumindest nachvollziehen kann.
  • Muss ein Partner Überstunden oder Mehrarbeit leisten oder gar zu Hause für den Beruf arbeiten, erleichtert das Insiderwissen des Partners das Verständnis. Bildet sich ein Partner im Beruf fort, kann der andere leichter nachverfolgen, welchen Zweck und Vorteile die Fortbildung bringt und zieht möglicherweise motiviert selbst nach.
  • Haben Sie in Ihrem Beruf Schwierigkeiten, sollten Sie auf ein größeres Verständnis hoffen dürfen, als wenn der Partner kaum nachempfinden kann, was Sie beschäftigt oder gar belastet. Viele Paare, die in unterschiedlichen Berufen arbeiten, haben das Problem, dass der Partner abends nach Hause kommt und sich außerstande sieht, sich mitzuteilen. Der Partner hat nicht die Energie, den anderen in seine Gedankengänge einzuweihen und will sich ersparen, seine Probleme im Kontext mitzuteilen.

Koordinierung des gemeinsamen Haushalts und der Kinderbetreuung

Geht es darum, dass Sie Ihren Haushalt organisieren müssen, sollte es gleichfalls einfacher sein, sich im Hinblick auf die beruflichen Arbeitsabläufe so zu organisieren, dass beide Partner gleichermaßen einbezogen werden und keiner benachteiligt und keiner bevorteilt wird. Schließlich wissen Sie, warum die Gegebenheiten so sind, wie sie sind.

Gerade, wenn Sie auch noch ein gemeinsames Kind aufziehen, kann sich dieses gegenseitige Verständnis im Hinblick auf das berufliche Engagement des Partners als Vorteil erweisen. Es sollte beiden Partnern leichter fallen, sich nach Maßgabe ihrer Arbeit im Beruf in den gemeinsamen Lebensalltag und die elterliche Sorge einzubringen. Es entwickelt sich eine höhere Einsicht, wenn Sie Ihr Kind gleichermaßen abwechselnd betreuen wollen.

Vergleichbares Einkommen

Üben beide Partner in etwa den gleichen Beruf aus, gleichen sich die Einkommensverhältnisse an. Die Partner können sich gegenseitig besser unterstützen und sind finanziell unabhängiger, als wenn ein Partner das Geld verdient oder wesentlich mehr verdient und der/die andere sich in einem Abhängigkeitsverhältnis befindet.

Gibt es Nachteile, wenn Partner bei gleichem Beruf heiraten?

Diese möglichen Nachteile sollten Sie bedenken:

Beruflicher Stress am Essentisch

Vielleicht haben anfangs die Vorteile überwogen, weil Sie allein wegen Ihres Berufes Interesse füreinander hatten. Möglicherweise stellen Sie dann aber fest, dass Sie so viel Gemeinsamkeit auf Dauer gar nicht ertragen können. Kommen Sie abends nach Hause, haben Sie vielleicht das Bedürfnis, Ihren beruflichen Alltag hinter sich zu lassen und abzuschalten. Wälzt dann der Partner abends seine Probleme aus, die ihn oder sie gerade beschäftigen, könnte sich daraus eine belastende Situation entwickeln. Sofern Sie das Gespräch ignorieren, könnte der Partner das Gefühl haben, Sie interessieren sich nicht für seine Person und seine Belange. Unter Umständen gehen Sie sich gegenseitig auf die Nerven. Sie können vielleicht nicht mehr abschalten und sprechen nur noch über den Beruf.

Expertentipp: Abwechslung schaffen

Um ein derartiges Problem zu vermeiden, empfiehlt sich zu vereinbaren, dass der Job nach Dienstschluss tabu ist. Sind Sie zu Hause, zählt nur noch, was für Ihr familiäres Leben wichtig ist. Auch wenn es nicht einfach und auch nicht immer wirklich möglich ist, den Beruf gezielt auszublenden, dürfte dies der einzige Weg sein, dass der Beruf das Leben zu Hause nicht beeinträchtigt. Sie sollten Beruf und Partnerschaft also strikt trennen. Irgendwann muss auch mal zu Hause Feierabend sein.

Sich als Paar auf die gleichen Stellen bewerben

Schwierigkeiten könnten auch dann entstehen, wenn Sie sich beim gleichen Unternehmen oder gar auf die gleichen Stellen bewerben. Vor allem größere Unternehmen legen Wert darauf, dass Ehepaare nicht am gleichen Arbeitsplatz oder in der gleichen Abteilung tätig sind. Es besteht das Risiko, dass Abhängigkeitsverhältnisse entstehen, die aus Fairness gegenüber dem Team tabu sein sollten.

Das Risiko kann auch in der Gefahr der Vorteilsannahme bestehen. Sie oder umgekehrt der Ehepartner könnten dadurch, dass Sie sich auch privat über berufliche Belange unterhalten, einen Informationsvorsprung gewinnen, den andere Mitarbeitende nicht haben. Insoweit geht es darum, nicht nur die Mitarbeitenden im Unternehmen, sondern auch Sie beide als Ehepaar zu schützen.

Konkurrenzproblem, wenn ein Partner erfolgreicher ist

Es könnte der Fall eintreten, dass ein Partner im Beruf erfolgreicher ist als der andere. Derjenige, der weniger erfolgreich ist, könnte neidisch werden. Es besteht das Risiko, dass sich daraus Konflikte entwickeln. Umgekehrt könnte der erfolgreichere Partner darauf bedacht sein, immer besser und erfolgreicher sein zu müssen. Gelingt dies nicht, könnte sich daraus ein Minderwertigkeitskomplex entwickeln.

Riskant ist, wenn Sie mit einer Persönlichkeit verheiratet sind, die glaubt, Sie trotz Ihrer gleichwertigen beruflichen Kenntnisse belehren und Empfehlungen geben zu müssen. Wenn Sie sich nicht in Gleichgültigkeit verlieren wollen, kann es zu Streitigkeiten kommen, die Ihre Beziehung belasten.

Gut zu wissen: Gleiche Branche, aber nicht gleicher Beruf

Insoweit könnte es einen Mittelweg darstellen, wenn Sie sich für ein Partner mit einem Beruf entscheiden, der sich als Ergänzung zu Ihrem eigenen Beruf verstehen lässt. Dabei können Sie sich immer noch in der gleichen Fachrichtung bewegen, aber eben mit dem Unterschied, dass Sie von der Ausbildung und der Tätigkeit her etwas anderes machen als der Partner. Beispiele: Selbstständiger Handwerker und Buchhalterin, Allgemeinärztin und Physiotherapeut, Dolmetscher und Übersetzerin, Jurist und Steuerberaterin, LKW-Fahrer und Mechanikerin und ähnliches.

Weniger Input als bei verschiedenen Berufen

Üben Sie den gleichen Beruf aus, könnte die Situation eintreten, dass Sie sich irgendwann nichts mehr zu sagen haben, weil Sie sich im Gleichklang Ihrer Interessen befinden. Würden Sie hingegen unterschiedliche Berufe ausüben, gäbe es immer etwas, was ein Partner aus seinem beruflichen Alltag berichten könnte und was der andere als interessant empfindet, weil er oder sie selbst keinen Zugang dazu hat.

Partner mit gleichem Bildungsstand

Früher waren Männer bestrebt, Partnerinnen zu suchen, die weniger gebildet waren oder eine weniger wertgeschätzte Arbeit ausübten. Männer galten als die Ernährer der Familie. Dabei kam zugute, dass Frauen weniger Zugang zu Bildung hatten und im Beruf zurückstecken mussten. Heute hat sich das Bild gewandelt. Allein unter den Studienanfängern sind 55 % Frauen und nur noch 45 % Männer. Das Bedürfnis, dass Partner den gleichen Bildungsstand haben, nimmt also allein in dieser Hinsicht zu. Insoweit zeichnet sich ein Trend ab, dass Akademiker Akademikerinnen heiraten und umgekehrt und Handwerker Handwerkerinnen und umgekehrt.

Fachliche Meinungsverschiedenheiten

Haben Sie den gleichen Beruf, sind Sie trotzdem zwei unterschiedliche Persönlichkeiten. Sofern Ihre Persönlichkeiten nicht kompatibel sind, weil ein Partner fachlich vielleicht ganz andere Ansätze verfolgt, könnte es je nach Ausprägung Probleme geben, Ihr Leben im Hinblick auf Ihr berufliches Engagement im Gleichklang zu führen.

Alles in allem

Heiraten Sie, wird und sollte die gegenseitige Zuneigung und Sympathie der Grund sein, dass Sie Ihr Leben gemeinsam verbringen wollen. Haben Sie beide den gleichen Beruf, kann der Beruf zusätzliche Gemeinsamkeiten schaffen und Ihre Beziehung verfestigen und Ihren Lebensalltag erleichtern. Wenn Sie sich die damit vielleicht verbundenen Nachteile bewusst vor Augen führen und Ihr Privatleben danach ausrichten, sollte sich Ihre Beziehung wie jede andere Beziehung auch führen, leben und organisieren lassen.