Kinder ja, Ehe nein

 
 

Immer mehr Paare in Europa werden ohne Trauschein Eltern. In Deutschland hat sich der Anteil nichtehelicher Geburten von 7,6 Prozent im Jahr 1960 auf 33,3 % im Jahr 2010 mehr als vervierfacht.Dies haben Forscher vom „Max-Planck-Institut für demografische Forschung“ (MPIDR) in Rostock erstmals im Detail belegt. Für ihre Erkenntnisse wurden Daten aus fast 500 verschiedenen Regionen ausgewertet.

Länder im Vergleich

Demnach stieg der Anteil nichtehelicher Geburten in Teilen Skandinaviens, Frankreichs und Großbritanniens mit Zuwächsen von 55 bis über 60 Prozentpunkten seit 1960 weitaus stärker an als in Deutschland. 
Hierzulande zeigt die Regionalanalyse, dass die Anteile nichtehelicher Kinder heute im Osten mit rund 60% weitaus höher sind als im Westen mit etwa 20-40%.

Zahlen im Detail

 

Land19602007Anstieg/Abstieg
Neubrandenburg53%64%+ 11%
Chemnitz43%55%+ 12%
Bremen 7%35%+ 28%
Alte Länder Oberbayern12%23%+ 11%

Laut dieser Studie ist es eindeutig so, dass das Bedürfnis, vor der Geburt der Kinder zu heiraten, an Bedeutung verloren hat. Insofern ist das goldene Zeitalter der Ehe eindeutig vorbei. Ganz anders 1960.

1960, als europaweit noch kaum nichteheliche Kinder auf die Welt kamen, lagen die Quoten in großen Teilen des Kontinents unter 15%.

Zwischen 1975 und 1990 stieg der Prozentsatz in vielen Ländern West- und Zentraleuropas geradezu sprunghaft an, insbesondere in Großbritannien, Frankreich, Dänemark und der ehemaligen DDR. 
Den Forschern zufolge könnte dies daran liegen, dass dort relativ früh politische Reformen alleinerziehende Eltern stark unterstützt oder allgemein der wirtschaftlichen und rechtlichen Diskriminierung nichtehelicher Familienformen entgegengewirkt haben. 
In anderen europäischen Staaten, die derartige Reformen erst später durchführten, stieg der Anteil nichtehelicher Geburten nur geringfügig an: Hierzu zählen etwa die alte Bundesrepublik, Belgien, die Niederlande, die Schweiz, Spanien und Italien.

Nationale Einflüsse

Wie stark nationale Einflüsse sind, zeigt sich dort, wo benachbarte Grenzregionen zweier Staaten sehr verschiedene Quoten haben, obwohl die Bevölkerung in beiden Ländern die gleiche Sprache spricht und enge wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen bestehen. 
Dies gilt beispielsweise für die angrenzenden Regionen in Frankreich, wo vergleichsweise viele uneheliche Kinder geboren werden und der französischsprachigen Schweiz, wo dies nicht der Fall ist.

 

 

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