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Wenn der Chef auch der Partner ist, steht man vor vielen Herausforderungen. (© 12foto.de - Fotolia.com)

Ich Chef, du Alles – Romantik im Büro (3)

 
 

Ein paar sehr private Gespräche auf der Betriebsfeier, einige gemeinsam verbrachte Überstunden oder eine Beförderung des Kollegen mit dem man liiert ist und schon ist es passiert: Plötzlich ist man mit dem Chef zusammen! Was schon unter gleichrangigen Kollegen problematisch ist, kann sich in so einem Fall schnell zu einer mittleren Katastrophe ausweiten. Wir zeigen, welche Stolperfallen auf beide Seiten lauern, wenn man mit dem Vorgesetzten das Bett teilt. Und wie man die Liebe vielleicht doch retten kann. 

Egal ob Angestellter oder Vorgesetzter; Beide Liebenden stehen nun vor der sehr unangenehmen Zerreißprobe zwischen Kopf und Herz. Beiden ist klar, dass diese Konstellation nur Ärger bedeuten kann und dennoch sind die Gefühle und das Interesse aneinander da und lassen sich nicht leugnen. Wer trotzdem den Mut zur Liebe hat steht vor der heiklen Aufgabe Beruf und Privates miteinander zu vereinbaren. Und bei jedem Schritt wartet die Angst vor den Reaktionen Anderer schon an der Bürotür.

Einsam in der Mittagspause

Als Untergebener haben Sie vor allen ihre liebe Not mit den Kollegen. Denn wer mit einem vorgesetzten zusammen ist muss sich eine brodelnde Gerüchteküche genauso gefallen lassen, wie Bevorzugungsvorwürfe oder auch blanken Neid. Im Schlimmsten Fall wird von den lieben Kollegen gemutmaßt, dass Sie sich nur an den Chef oder die Chefin ranmachen, um dadurch der eigenen Karriere einen Schub zu geben. Folglich wird bei jedem Lob und erst recht bei jeder Beförderung, die Sie als Chef-Partner erhalten immer angenommen, dass es sich nicht um eine gerechte Würdigung guter Leistungen, sondern um eine kleine Liebesgefälligkeit handelt. Im schlimmsten Fall führt diese Suppe aus Vorurteilen und Neid zu systematischen Mobbing-Aktionen.

Doch auch wer das Glück hat tolerantere und freundlichere Kollegen um sich zu haben wird schwer verhindern können, dass er sich von ihnen entfremdet. Niemand wird mehr in Ihrer Gegenwart seine Meinung über den Chef oder seine Entscheidungen kundtun und wenn die anderen Mitarbeiter erst ihre ungezwungene Pausenrunde vermissen, werden sie Ihnen mehr oder weniger deutlich zu verstehen geben, dass Sie dort nicht mehr wirklich erwünscht sind. Immerhin könnte sich hinter der großen Liebe des Vorgesetzten ja auch ein Spion verbergen, der jedes unbedachte Wort weiterträgt. Umgekehrt wird auch – nicht immer unberechtigterweise – vermutet, dass Sie über Firmenneuigkeiten früher und besser Bescheid wissen als Andere.

Doch auch von anderer Seite droht Gefahr. Nämlich von Ihrer neuen Liebe. Denn eine Partnerschaft mit (beruflichem) Machtgefälle kann schnell in einem Abhängigkeitsverhältnis enden. Immerhin hat Ihr Partner die Macht  Ihre Arbeit zur kritisieren, Ihnen Aufgaben zu erteilen oder Sie sogar zu entlassen. Besonders gleichberechtigt und romantisch klingt das schon mal nicht. So besteht immer die Gefahr, dass Sie ihm fachliche Schelte als privaten Angriff auslegen oder aber Angst haben, dass ein privater Streit für Sie berufliche Konsequenzen hat.

Besonders verschärft gilt dieses Dilemma im Trennungsfall. Denn die Versuchung, den beruflichen Machtvorsprung für Rachegelüste oder als Druckmittel im Rosenkrieg zu benutzen ist selbst bei dem besonnensten Menschen noch gegeben. Denn auch er hat Gefühle, die verletzt werden können.

Willkommen in der Zwickmühle

Wenn Sie der Vorgesetzte sind, sieht es derweil nicht viel besser aus. Zunächst einmal sind Sie nicht in jedem Fall der Herr im Haus. Oft haben auch Sie noch eine höhere Ebene oder zumindest den Aufsichtsrat über sich und werden dort mit Ihren Liebesplänen nicht unbedingt auf viel Begeisterung stoßen. Gut möglich, dass hier mehr oder weniger drastische Konsequenzen für die eigene Karriere lauern. In jedem Fall werden Sie aber unter verschärfter Beobachtung stehen.

Und dabei finden Sie sich in der unangenehmen Situation wieder, dass Sie eigentlich (fast) nur falsch handeln kann. Zeigen Sie zu viel Nachsicht, so brüskieren Sie etwaige Vorgesetzte genauso wie die anderen Mitarbeiter, die Ihnen vorwerfen werden parteiisch zu sein und Ihren Partner oder Ihre Partnerin zu bevorzugen. Ein Risiko, welches ja auch durchaus besteht, selbst wenn Sie versuchen objektiv und fair zu entscheiden. Üben Sie umgekehrt zu viel Strenge gegenüber dem/der Liebsten, um den Eindruck der Bevorteilung zu vermeiden riskieren Sie schnell Liebesentzug oder gar eine Trennung.  Und im Trennungsfall haben Sie auch nicht unbedingt den besseren Stand. Wer seinen Ex beruflich bestraft um sich für den Rauswurf zu Hause zu revanchiere macht bestimmt keine gute Figur vor seinen Mitarbeitern.

Auswege?

Der beste Ausweg ist in solch einer Situation noch immer die Flucht nach vorn in einen neuen Job oder eine neue Abteilung. Wer die Liebe nicht aufgeben kann und will ist besser beraten, möglichst bald eine berufliche Trennung herzustellen. Das ist besser für alle Beteiligten.

Wer das aber nicht will oder kann, sollte die ungleiche Romanze erst öffentlich machen, wenn es wirklich ernst wird. Für eine kurzlebige Affäre sollte man den Job nicht riskieren. Auch sollte der Untergebene darauf achten, aus seinem guten Draht nach oben keine Vorteile zu ziehen und darauf drängen genauso wie die anderen Mitarbeiter behandelt zu werden. Eins ist sicher: Es wird hart und man wird ein dickes Fell brauchen. Aber ist wahre Liebe das nicht auch wert?

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