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Ohne das richtige Zeitmanagement kann auch die Familie in Stress ausarten. (© Ursula Deja - Fotolia.com)

Eltern sollen „Zeitnehmer“ werden – Familienharmonie benötigt Platz im Terminkalender

 
 

„Wir haben keine Zeit mehr, Kinder! Beeilt euch, Schuhe an, Jacken an. Hast du deine Zähne geputzt, Leon? Auf, auf, los jetzt! …ach Julia, wo sind denn jetzt wieder deine Socken hin?! Mensch, dass das auch nie klappt morgens. Habt ihr eure Brote und Trinkflaschen? Es reicht, ab ins Auto! Wo sind denn jetzt die Schlüssel?!“ Ein herrlicher Morgen, nicht wahr? Die Sonne kann so viel scheinen wie sie will – Stress und Hektik in den ersten Stunden des Tages trüben das Gemütswetter aller Eltern. Und der Morgen ist ja nur der Anfang, vorausgesetzt man hatte das Glück eine ruhige Nacht zu erleben.

Reiten, Fußballtraining, Schlagzeug, Kieferorthopäde, Geigenunterricht, Schwimmen und Nachhilfe allein wären ja auch für eine Familie zu wenig. Vermutlich ist da noch der Hund, der Gassi gehen möchte, da sind natürlich noch Haushalt, Schule und Arbeit. Und Arztbesuche, Einkäufe und Reparaturarbeiten fallen immer genau dann an, wenn gar keine Zeit dafür da ist. Aber ist Zeit überhaupt mal da?

Zu viel des Guten

„Zeit hat man nicht, Zeit muss man sich nehmen.“ Dieser Spruch mag für den einen oder anderen wie blanker Hohn klingen. Woher denn nehmen bei gut 35 Einträgen im Kalender pro Woche?! Mit Kindern gerät auch jede noch so gut durchgeplante Struktur ins Wanken. Hinzu kommt noch, dass der gesellschaftliche Druck auf Familien wächst und Karriere, Haushalt und Freizeit unter einen Hut zu bringen sind. Und die Kinder müssen natürlich gefördert werden. Das steht außer Frage.

Kinder haben ihre eigenen Terminkalender, so viel wollen und sollen sie erlernen und erleben. Laut einer Studie des Schreibwarenherstellers Staedtler gestanden 78 Prozent der Eltern, dass ihre Kinder  gelegentlich unter Zeitdruck stehen. Doch wenn sämtliche Freizeitgestaltung keinen Raum mehr für Spaß und Freude an den Hobbys zulässt und die Hektik alles übermannt, sollte man den Kalender hinterfragen – und vor allem kürzen. Schließlich nehmen diese Aktivitäten nicht nur die Zeit der Kinder sondern auch die der Eltern in Anspruch, ganz zu schweigen von den Nerven.

Zeit als Familie und zu Zweit

Wenn der Mensch, mit dem Sie eine Familie gegründet haben, abends einfach nur erschöpft neben Ihnen vor dem Fernseher sitzt und genauso schnell einschläft wie Sie, dann scheint der Kalender der trauten Zweisamkeit von früher eindeutig im Weg zu stehen. Arbeit, Familie und Partnerschaft. Für Letzteres nimmt man sich meist die wenigste Zeit, denn Geldverdienen und Kinder haben höhere Priorität. Alles dreht sich nun darum, dass es dem Kind gut geht und dass man ihm möglichst viel bieten kann. Dass frischgebackene Eltern sich über ihre neue Rolle freuen, ist ein ganz natürlich. Doch wenn nach einiger Zeit der Partner völlig aus dem eigenen Blick gerückt wurde, scheinen die Prioritäten tatsächlich „verrückt“.

Die Eltern müssen deshalb „Zeitnehmer“ werden: Die Kleinen zu den Großeltern zu geben ist sogar für alle drei Parteien eine willkommene Abwechslung und bietet dem Elternpaar die Chance, wieder einige Stunden als Liebespaar zu verbringen. Als Alternative gibt es natürlich auch Babysitter oder liebe Nachbarn, die den Nachwuchs für einige Abende betreuen können. Hierbei darf aber natürlich nie das Gefühl aufkommen, dass die Kinder abgeschoben werden.

Eine andere Möglichkeit kann zum Beispiel sein, dem Partner eine kleine Überraschung vorzubereiten, während der gerade noch den Kleinen eine Gutenachtgeschichte vorliest. Auch können die Trainingsstunden oder der Musikunterricht der Kinder genutzt werden, um ein Stündchen gemeinsam im nahe gelegenen Café zu verbringen. Dabei ist es vor allem auch wichtig, den Kindern zu erklären, dass Mama und Papa auch mal allein Dinge unternehmen wollen – so wie der Nachwuchs vielleicht auch mal nur ein Elternteil zum Spielen bevorzugt.

Urlaub gleich Erholung?

Hegt man die leise Hoffnung, an den Wochenenden oder gar im Urlaub endlich mal zu entspannen und Zeit für sich zu finden, muss man schon etwas dafür tun. Den Urlaub oder den Wochenendausflug als erlösende Oasen zu sehen, kann bei zu hoher Erwartungshaltung ein böses Erwachen geben. Kompromiss lautet hierbei das Stichwort zum entspannt(er)en Urlaub. Denn was nützt das schönste Hotel am Alpenrand, wenn die Kinder nur nörgeln, wie gern sie doch ans Meer wollen? Auch auf die Kinderfreundlichkeit sollte bei der Wahl des Urlaubsortes geachtet werden, denn vorhandene Attraktionen und Aktionen für Kinder entlasten die Eltern und bieten den Kleinen genügend Abwechslung.

Wichtig beim Urlaub ist die Balance zwischen geplanter und nicht verplanter Zeit. Bei einem Tag, der aus Stadttour, Zoo, Wellness und Krimidinner besteht, wird auch die Massage wenig Wirkung zeigen können. Lassen Sie also Platz für Spontanes und nehmen Sie sich den Druck, einen perfekten Urlaub erleben zu wollen. Denn wenn der Urlaub den Erwartungen nicht standhalten kann, versucht man leider genau die Enttäuschung krampfhaft zu verhindern und verfällt wieder einmal der Hektik!

Mittel und Wege

Um dem Berg an Terminen und Verpflichtungen Herr zu werden, benötigt es neben einer großen Portion Nerven vor allem Organisation und Struktur. Werden Großeinkauf und Putzplan auf Wochentage aufgeteilt, entsteht schnell eine Routine, die dann als feste Größe im Alltag Stress vorbeugt. Dasselbe gilt für die Zeitkalkulation: Wenn morgens das Haus immer nur hektisch und chaotisch verlassen wird, könnte man ja in Erwägung ziehen, eine halbe Stunde früher aufzustehen – ohne dieser neugewonnenen Zeit gleich neue Aufgaben wie Gartenarbeit, Wäschewaschen oder Putzen zuzuschreiben. Mit dem geplanten nötigen Puffer ist man längst nicht mehr so anfällig für Hektik. Das Wichtigste ist und bleibt deshalb, flexibel und spontan zu bleiben, denn die meisten Zeitfaktoren können wir einfach nicht beeinflussen. Außerdem sollte man auch immer versuchen, kleine Verschnaufpausen im Alltag einzubauen und diese nicht erst auf den nächsten Urlaub zu schieben.

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