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Beziehung und Quarantäne bei Corona

 
 

Der Zwangsaufenthalt in der eigenen Wohnung kann ein Stresstest für die Beziehung sein. Schließlich leben Sie auf engstem Raum miteinander. Keiner kann dem anderen aus dem Weg gehen. Freiräume gibt es kaum noch. Haben Sie Kinder, müssen die Kleinen mangels üblicher Freizeitaktivitäten irgendwie beschäftigt werden. Größere Kinder empfinden die familiäre Quarantäne erst recht als Einschränkung ihrer gewohnten Freizügigkeit. Wir erlauben uns, Ihnen einige vielleicht hilfreiche Tipps zu geben, wie Sie Ihre Beziehung und die Quarantäne bei Corona möglichst unbeschadet überstehen.

Gilt denn das Kontaktverbot auch in der eigenen Wohnung?

Deutschlandweit gilt ein Kontaktverbot im öffentlichen Raum. Der Aufenthalt ist also nur noch mit einer weiteren nicht in Ihrem Haushalt lebenden Person oder Angehörigen Ihres eigenen Hausstandes erlaubt. Diese Zwei-Personen-Regel betrifft aber nicht den Aufenthalt der Ehepartner in der eigenen Wohnung.

Untersagt ist lediglich, dass Sie Besuch von Freunden oder Bekannten empfangen oder Spielkameraden der Kinder in die Wohnung lassen. Der Grund erklärt sich aus dem Infektionsrisiko. Ziel ist, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb Ihres eigenen Haushalts auf ein absolut nötiges Minimum zu beschränken. Jeder Kontakt provoziert ein potentielles Infektionsrisiko. Selbst wenn Sie das Risiko für sich persönlich als gering einzuschätzen, sollten Sie sich vorbildlich verhalten und nicht den Anspruch erheben, von der Regel eine Ausnahme darstellen zu wollen.

Gut zu wissen

Leben Sie und Ihr Ehepartner in verschiedenen Wohnungen, dürfen Sie sich in der Regel aber weiterhin besuchen. Ihre Beziehung wird vom Kontaktverbot nicht erfasst. Gleiches gilt, wenn Sie getrennt voneinander leben und das Sorgerecht für Ihr gemeinsames Kind und das damit verbundene Umgangsrecht wahrnehmen wollen. Sie dürfen Ihr Kind also zu sich nehmen und dem anderen Elternteil wieder zurückbringen.

Vielleicht fördert die Quarantäne Ihre Beziehung?

Das Corona-Virus ist ein Schädling. Die Quarantäne hingegen könnte durchaus auch einen Nutzeffekt für Ihre Beziehung haben. Vielleicht betrachten Sie die Quarantäne als eine Chance. Soweit Sie zu Hause eingeschlossen sind und Ihre sozialen Kontakte, Ihr Konsumverhalten und Ihr Freizeitverhalten Richtung Null zurückgefahren haben, haben Sie jetzt die Gelegenheit, sich hundertprozentig Ihrer Beziehung zu widmen.

Jetzt zeigt sich, ob Ihr Partner oder Ihre Partnerin wirklich derjenige oder diejenige ist, die Sie sich vorstellen. In guten Zeiten ist es einfach, Partnerschaft zu leben. Freizeit und Konsum überdecken viele Ungereimtheiten. In der Zeit einer Krise drängt dann manches an die Oberfläche, das bislang verborgen war. Ihr Partner oder Ihre Partnerin zeigt dann vielleicht plötzlich Charakterzüge oder Verhaltensweisen, die Sie so nicht erwartet haben. Diese können positiver oder negativer Natur sein.

Egal wie sie sind: Gehen Sie aufeinander ein. Respektieren Sie, wie der andere ist. Berücksichtigen Sie, dass Sie sich in einer Ausnahmesituation befinden und gerade die Quarantäne Verhaltensweisen möglicherweise fördert, die im normalen Leben keine Rolle spielen.

Hat das Virus eine revolutionäre Funktion?

Man könnte das Virus auch so interpretieren, dass es von der Evolution mit der Aufgabe bedacht wurde, jedem einzelnen Menschen vor Augen zu führen, dass er sich möglicherweise auf einem Weg befindet, der in den Abgrund führt. Auch Ihre Beziehung kann betroffen sein. Vielleicht haben Sie gar nicht bemerkt, dass Sie bislang nur noch nebeneinander gelebt haben, Probleme erwachsen sind oder Ihr Ehepartner Signale gesendet hat, die Sie nicht wahrgenommen oder nicht ernst genommen haben.

Ohne das Virus hätten Sie vielleicht gar nicht mitbekommen, dass Sie auf den Abgrund zusteuern. Jetzt, da Sie sich selbst und Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin widmen müssen, eröffnen sich ungeahnte Erkenntnismöglichkeiten. Insoweit hätte das Virus einen durchaus konstruktiven Effekt.

Was tun, wenn unsere Beziehung wegen der Angst vor dem Virus leidet?

Die Corona-Pandemie verunsichert die Menschen. Viele haben Angst. Hamsterkäufe sind nichts anderes als Ausdruck von Angst vor dem, was kommen könnte. Die tagtäglichen Horrormeldungen in den Medien sind daran nicht ganz unschuldig und treiben die Angstspirale ständig voran. Möglicherweise belastet die Angst Ihres Partners Ihre Beziehung. Es könnte schwierig sein, ein normales Gespräch zu führen oder sich der Notwendigkeit der Quarantäne gelassen hinzugeben.

Möchten Sie Ihre Beziehung angstfrei leben, sollten Sie versuchen, Ihren Konsum an Nachrichten auf ein Minimum herunterzufahren. Leben Sie verantwortungsvoll in der Quarantäne, haben Sie ohnehin kaum Möglichkeiten, irgendetwas zusätzlich noch zu beeinflussen. Gut ist, wenn Sie die Angst Ihres Partners ernst nehmen, zuhören, wenn Ängste geäußert werden.

Fühlen Sie sich angstfrei, sollten Sie Ihre Sichtweise erklären und beitragen, das Thema möglichst objektiv zu betrachten. Noch besser ist es, wenn Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin Wege öffnen, sich von der Thematik zu entfernen und auf andere Gedanken zu kommen. Suchen Sie das Gespräch, sitzen Sie gemeinsamen am Tisch und vermeiden Sie, dass sich jeder in seine Ecke zurückzieht und dort mit seinen Gedanken allein bleibt. Oberstes Ziel aller Gedankengänge sollte sein, dass der ganze Spuk irgendwann hoffentlich vorüber ist.

Leitfaden: "Rechtliche Informationen zum Coronavirus" geschrieben von Volker Bellaire. Stand:

Rechtliche Informationen zum Coronavirus

Sind denn Eheschließungen und Trauungen noch möglich?

Auch wenn die Rathäuser die Tore geschlossen haben, können Sie dennoch die Eheschließung vollziehen und sich trauen lassen. Allerdings beschränken die Standesämter die Trauung auf das absolut notwendige Maß. Eigentlich geht es nur noch darum, ja zu sagen. Angehörige und Trauzeugen sind tabu. Bestenfalls wird die Trauung über eine Webcam an die Angehörigen übertragen.

Sollte die Bundesregierung allerdings eine allgemeine Ausgangssperre verhängen, dürften auch Trauungen dieser Art unmöglich werden. Soweit Sie bereits einen Eheschließungstermin beim Standesamt vereinbart haben, bieten die Standesämter meist an, den Termin gebührenfrei zu stornieren. Sofern Sie auf die übliche Romantik einer standesamtlichen Trauung nicht verzichten möchten, sollte die Corona-Krise kein Anlass sein, Ihre Beziehung infrage zu stellen und daraus eine Corona-Beziehungskrise werden zu lassen.

So oder so

Vergleichen Sie Ihre Quarantäne in der eigenen Wohnung nicht mit dem Zwangsaufenthalt im Gefängnis. Sie haben die Option, dass Sie Ihre Wohnung in absehbarer Zeit wieder verlassen können. Betrachten Sie es als Vorteil, dass Sie die Quarantäne und die Krise nicht alleine verbringen müssen. Sie haben Ihren Partner oder Ihre Partnerin an Ihrer Seite. Dass das Zusammenleben auf engstem Raum Schwierigkeiten mit sich bringt und Verantwortung abnötigt, könnte Grund genug sein, Ihre Beziehung zu festigen oder neu zu beleben. Unter dieser Prämisse sollten Sie gestärkt aus der Quarantäne hervorgehen.