"Die sollen aufhören!" - Wenn Paare nerven

„Ach wir sind ja so verliebt!“, „Schau ihn dir an, ist er nicht ein Schnuckel?“ „Knüddelüdiedüdiebüüüü“. Ein Abend mit einem verliebten Pärchen kann für das Paar der Himmel und für dessen Freunde und Bekannte die Hölle auf Erden sein. Auch wenn sich nicht jedes Paar so extrem gebärdet – besonders wenn die Partnerschaft schon etwas dauert – so nehmen auch gestandenere Paare nicht immer Rücksicht auf die Bedürfnisse der Single-Freunde. Wir zeigen Ihnen, was Singles besonders fuchst und wie eine harmonische Koexistenz mit dieser fremden Spezies, zu der sie irgendwann auch einmal gehörten, funktionieren kann.

Die meisten Singles kommen mit einem durchschnittlich turtelnden Paar noch ganz gut klar, wenn sie dabei nicht das Gefühl bekommen, inexistent zu sein. Ein völlig liebloser Umgang zwischen den Partnern wäre ja auch beunruhigend. Gerade wer sich aber zu den frisch getrennten oder zumindest zu den unfreiwilligen Singles zählt, reagiert auf jeden Kuss und jedes Händchenhalten allergisch. Hier gilt es besondere Vorsicht walten zu lassen, es gibt aber auch Verhaltensweisen, die selbst dem duldsamsten Single gegen den Strich gehen.

Wie man Freunde verschreckt

Abkapseln: Das Paar lebt nur noch in seiner eigenen Welt. Gespräche und Botschaften von außen gehen im allgegenwärtigen rosa Nebel verloren oder werden bis zur Unkenntlichkeit verfälscht. Ein vernünftiges Gespräch ist kaum noch möglich. Statt einer amüsanten Gesprächsrunde oder eines lustigen Videoabends gibt es für den solo Anwesenden nur fremde Endorphine als Live-Vorstellung. Gedanken über Vernachlässigung und Enttäuschung über eine ehemals gute Freundschaft liegen da nicht fern. In jedem Fall wird sich der geplagte Single aber überflüssig fühlen.

Säuselalarm: Jedem, der sich nicht schnell genug duckt, fliegen klebrig-süßliche Kosenamen und Komplimente in und um die Ohren. Die Stimme nimmt Tonhöhen an, die einer Hundepfeife Konkurrenz machen, die aber leider im Gegensatz zu dieser für die Anwesenden noch einwandfrei hörbar sind.

Kuscheldrang: Ständig wird geküsst, gedrückt, gestreichelt, gekitzelt, gekniffen, geneckt oder gar gefüttert. Wenn gerade mal kein Körperkontakt besteht, kleben zumindest die Blicke fest aneinander. Wie selbstverständlich werden auch Gespräche von Küssen unterbrochen.

Wir-Syndrom: Als Single bekommt man bei manchen Paaren leicht den Eindruck, dass Sie das Ergebnis irgendeines verrückten Experimentes zur völligen Verschmelzung zweier Personen sind. Es wird verdammt schwer, einen Teil des Paares konkret nach seiner Meinung oder Planung zu fragen, ohne gleich auch eine Kollektivantwort in „Wir“-Form zu erhalten.

Die dunkle Seite: So schwer es sein kann mit einem glücklichen Paar auszugehen, umso schlimmer ist es erst recht, den Abend mit einem unglücklichen Paar zu verbringen. Egal ob man nun einen offenen Schlagabtausch mit der ganzen Palette von Gemeinheiten geboten bekommt oder sich den ganzen Abend eisiges Schweigen, betontes Desinteresse oder fiese Sticheleien betrachten muss: In jedem Fall kann so was die Laune noch mehr verderben als jede Turtelei.

Was kann man tun?

Die beste Methode ist die, sich in die Zeit zu versetzen, als Sie selbst noch Single waren. Wie hätten Sie sich gefüllt, wenn Sie mit einem Paar wie Ihnen zusammen gewesen wären? Wahrscheinlich sind/wären Sie froh gewesen, wenn man sich auch Gedanken über Sie gemacht hätten. Tun Sie das auch! Sorgen sie dafür, dass Ihr Single-Freund sich nicht langweilt, und schließen Sie ihn nicht von Ihrem Zweierbund aus. Sie wollen ja sicher keine Freunde vergraulen, die schon vor Ihrem jetzigen Partner für Sie da waren und die Sie auch im Trennungsfall noch gut gebrauchen können. Zeigen Sie also auch Interesse an anderen Anwesenden außer Ihrem Partner.

Um sich dabei die Arbeit etwas zu erleichtern, ist es immer gut gleich mehrere Singles einzuladen, damit so schnell kein Gefühl der Einsamkeit aufkommt. Unterlassen Sie dabei aber allzu aufdringliche Verkuppelungsversuche, wenn man Sie nicht gerade auf Knien darum bittet. Sonst entstehen leicht peinliche Situationen.

Auch kann es nicht schaden, sich gelegentlich daran zu erinnern, dass ein Paar aus zwei Individuen besteht, die von Zeit zu Zeit auch mal, als solche handeln und auftreten sollen. Das besänftigt dann auch den Argwohn der unverpaarten Anwesenden und tut nebenbei der Partnerschaft gut. Die kann übrigens sehr von Treffen mit Singles profitieren, die exzellente Beobachter der eigenen Paarsituation darstellen und nebenbei daran erinnert, dass es auch noch ein Leben jenseits ewiger Zweisamkeit gibt.

Im Übrigen hat man für die ganze Bandbreite der Zärtlichkeiten auch zu Hause noch viel Zeit und es kann der Vorfreude nur gut tun, wenn man sich hier gegenüber Dritten ein wenig zurückhält. Gegen einen gelegentlichen Kuss hat aber sicher niemand was einzuwenden. Und ein bisschen Verständnis dar ein Paar von den Single-Bekannten auch erwarten. Das würden die sich in Ihrer Situation ja auch wünschen. Und in die kommen sie sicher auch – wieder – früher als gedacht.

Ganz besonders sollte man aber auf öffentliche Streitereien verzichten. Das sorgt nur für peinliche Situationen und später ärgert man sich darüber. Dann lieber mal ein Treffen verschieben, wenn der Haussegen gerade schief hängt.

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