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In Zeiten von Corona Eltern werden

 
 

Kontaktverbot und Abstandsregelung sollten kein Grund sein, in Zeiten von Corona nicht Eltern zu werden. Vielleicht machen Sie sich Sorgen, ob Sie es angesichts der mit dem Corona-Virus verbundenen Risiken wirklich verantworten können, ein Kind in die Welt zu setzen. Vielleicht hilft es Ihrer Entscheidungsfindung, wenn wir uns darüber einige Gedanken machen.

Darf der Vater in den Kreißsaal?

Es ist heutzutage üblich, dass der werdende Vater bzw. die Partnerin oder der Partner die Mutter bei der Geburt im Kreißsaal begleitet. Wegen der Infektionsgefahr verwehren viele Kliniken jedoch den Zutritt. Es gibt keine einheitlichen Regelungen. Für viele Eltern ist die Situation enorm belastend. Teils dürfen Väter bzw. Partnerinnen oder Partner zumindest dann in den Kreißsaal, wenn die Geburt unmittelbar bevorsteht. Für die werdende Mutter kann die Situation zunehmend belastend sein, wenn die Hebamme mehrere Geburten betreuen muss. Insoweit kann die Partnerin bzw. der Partner, vor allem wenn sich der Geburtsvorgang über Stunden hinweg zieht, wertvolle psychologische Unterstützung bieten.

Legen Sie Wert darauf, die Geburt Ihres Kindes gemeinsam zu erleben, sollten Sie sich vorher informieren, in welcher Klinik Sie Ihr Kind zur Welt bringen wollen.

Ich bin doch selbst ein potentieller Infektionsherd

Jeder von uns trägt das Risiko, sich irgendwo mit dem Virus zu infizieren und es weiterzugeben. Insoweit könnten Sie vielleicht auch Ihr noch ungeborenes oder Ihr Kind zu Hause anstecken. Natürlich ist dieses Risiko nicht von der Hand zu weisen. Wie jedes Risiko sollten Sie auch dieses Risiko nicht als unkalkulierbar einschätzen und jeglichen Mut verlieren. Dann dürften Sie auch nicht mehr ins Auto steigen und Gas geben.

Letztlich ist es Ihre Risikoeinschätzung und Ihre Verantwortung, ob Sie im Hinblick auf Ihre Lebensumstände und Ihre persönliche Gefährdung sich darauf einlassen, in diesen Tagen ein Kind in die Welt zu setzen. Sofern Sie sich in der Lage sehen, risikobewusst zu leben und das Risiko minimal erscheint, könnte sich Ihr Kinderwunsch durchaus verantwortungsvoll realisieren lassen. Auch hier heißt die Devise: Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihren Apotheker.

Warum hat man derzeit Angst, ein Kind in die Welt zu setzen?

Sie sind nicht das erste Elternpaar, das sich Sorgen macht. Auch Eltern, die die Weltkriege erlebt haben und erst recht die Menschen, denen in den vergangenen Jahrhunderten Seuchen, Hungersnöte, Klimakatastrophen und Kriege die Hoffnung auf ein lebenswertes Leben in Würde genommen haben, haben sich diese Fragen gestellt. Im Hinblick auf die über die Jahrhunderte stetig steigenden Geburtenzahlen beantwortet sich diese Frage von selbst. Für die heutige Generation ist diese Frage insoweit eine Option, als es hierzulande ausreichend Verhütungsmöglichkeiten gibt und die Familienplanung eine bewusste Entscheidung darstellt.

Im welcher Form Sie eine Antwort finden, hängt weitgehend von Ihrer persönlichen Einstellung zum Leben ab. Sind Sie von Natur aus ein eher pessimistischer und passiver Mensch, fällt es Ihnen vielleicht schwer, sich Ihre Zukunft und die Zukunft Ihres noch nicht geborenen Kindes vorzustellen. Menschen neigen dazu, vieles, was sie selbst nicht einschätzen können, als riskant zu bewerten und rechnen mehr oder weniger damit, dass die Welt untergehen wird. Wenn diese Einstellung richtig wäre, gäbe es heute kaum noch Menschen auf der Welt. Die Natur hat wahrscheinlich andere Vorstellungen von dem, was Zukunft ist.

Egal, was in den letzten Jahrhunderten passiert ist: Die Welt ist nicht untergegangen und die Menschheit hat alle Katastrophen überlebt. Wenn Sie konstruktiv, optimistisch und mit der nötigen Portion Selbstvertrauen denken und fühlen, sollten Sie davon ausgehen können, dass wir auch die Corona-Krise überstehen werden. Es hat bislang für nahezu jedes Problem dieser Welt eine Lösung gegeben, auch wenn die Suche danach zeitaufwendig und der Weg dorthin steinig war. So gesehen hat die Gesellschaft nur eine Zukunft, wenn fortlaufend Generationen nachwachsen. Das Corona-Virus sollte insoweit kein Grund sein, diese Perspektive infrage zu stellen.

Das Leben gibt uns die Rahmenbedingungen vor. Wir improvisieren. Wir ordnen unser Leben neu, passen uns an und sind ständig dabei, für die sich uns stellenden Aufgaben neue Lösungen zu finden und auszuprobieren. Wohin all das führt, wissen wir nicht. Für pessimistische Denkansätze sollte jedenfalls kein Anlass bestehen. Sie sollten sich also keineswegs die Freude darauf nehmen lassen, ein Kind in die Welt zu setzen und aufzuziehen.

Kinder kosten Geld. Der Staat hilft.

Wer bereits Kinder hat, weiß, mit welchem Aufwand an Kosten und Zeit die Betreuung und Erziehung eines Kindes verbunden ist. Kinder kosten Geld. Dennoch ist es heute leichter denn je, ein Kind aufzuziehen. Früher waren Eltern ausschließlich auf sich selbst angewiesen. Heute hilft der Staat.

Der Arbeitgeber darf Schwangere in der Mutterschutzzeit und in der Stillzeit weitestgehend nicht beschäftigen. Ihren Lohn erhalten Sie trotzdem fortgezahlt.

Als Eltern erhalten Sie Kindergeld, Baukindergeld, Unterhaltsvorschuss, Elterngeld, Kinderzuschlag und werden mit dem Kinderfreibetrag oder dem Entlastungsbetrag für alleinerziehende Elternteile steuerlich gefördert. Die Krankenkassen zahlen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen Ihres Kindes. Ihr Kind ist in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversichert.

Als Elternteil können Sie in vielen Fällen gemäß tariflicher Vereinbarung mit Ihrem Arbeitgeber bei der Geburt oder der Krankheit Ihres Kindes Sonderurlaub in Anspruch nehmen, sowie in der Elternzeit Ihr Kind persönlich betreuen. Mit den Leistungen für Bildung und Teilnahme nach dem Bildungspaket fördert der Staat die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung Ihres Kindes. Das Gute-Kita-Gesetz entlastet Eltern bei den Kita-Gebühren bis hin zur Beitragsfreiheit. Nicht zuletzt erhält Ihr Kind in der Ausbildung BAföG.

Sie sehen: Auch wenn die Betreuungserziehung eines Kindes enorme Kosten verursacht, versucht der Staat, Ihnen so gut wie möglich unter die Arme zu greifen.

Zu guter Letzt

Wenn Sie Elternteile nach ihren Erfahrungen fragen, werden Sie weitgehend übereinstimmend die Antwort erhalten, dass nichts schöner und lebensbejahender sein kann, als ein Kind zu haben. Sind Sie sich unsicher, kann ein Kompromiss auch so aussehen, dass Sie Ihren Kinderwunsch in Zeiten von Corona aufschieben und den Verlauf der kommenden Monate abwarten. Vielleicht beantwortet die Entwicklung der Gegebenheiten Ihre Frage dann von selbst und Sie können sich endgültig und verantwortungsvoll entschließen, ob Sie ein Kind in die Welt setzen wollen oder nicht.