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Wenn es um Gewalt in der Partnerschaft geht werden sowohl Frauen als auch Männer zu Tätern. (© Bernd Leitner - Fotolia.com)

Studie: Gewalt gegen Männer häufiger als gedacht

 
 

Eine Studie des Robert Koch Institutes zu körperlichen und psychischen Gewalterfahrungen in der deutschen erwachsenen Bevölkerung (DEGS) kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Demnach leiden Männer anscheinend mehr unter körperlicher und seelischer Gewalt als an genommen. Von bestimmten Gewaltformen sind sie sogar öfter betroffen als Frauen; Und: Frauen greifen in der Partnerschaft häufiger zur Gewalt.

In der Studie wurden Männer und Frauen zwischen 18 und 64 Jahren zu ihren Gewalterfahrungen als Opfer und Täter befragt. Insgesamt nahmen 5939 Menschen teil.

Bei den Fragen zur körperlichen Gewalt ging es um Handlungen wie Schläge, Tritte, Ohrfeigen, Haare ziehen aber auch um die Bedrohung mit Waffen. Psychische Gewalt wurde dagegen definiert durch Diskriminierungen und Abwertungen wegen Aussehen, Kleidung, Behinderungen oder bestimmten Handlungsweisen und durch Beleidigungen, Drohungen, Schikanen und psychischen Druck. Die Fragen richteten sich dabei auf den Zeitraum der letzten 12 Monate.

Unterschieden wurden die Befragten nicht nur nach Alter und Geschlecht, sondern auch nach ihrem sozialen Status. Zudem wurden die sozialen Zusammenhänge der Gewalt erfasst. Mit Partnerschaft, Familie, Arbeitsplatz und öffentlichem Raum wurden dabei im Wesentlichen vier Sozialräume unterschieden.

Männer als Opfer

Die Ergebnisse der Studie überraschen. Zwar bestätigt sich die Erwartung, dass Frauen (20,2%) häufiger von psychischer Gewalt betroffen sind als Männer (17,3%). Dafür waren Männer aber deutlich häufiger Opfer körperlicher Gewalt (6,2% der Befragten) als Frauen (3,3%). Noch überraschender ist, dass sich auch das Bild des typischen männlichen Gewalttäters nur teilweise in den Ergebnissen der Studie widerspiegelt. Zwar werden Männer sowohl in körperlicher Hinsicht (3,9% vs. 3,4%) als auch in psychischer Hinsicht (11,3% vs. 9,9%) insgesamt häufiger zu Gewalttätern, aber die Unterschiede sind hier viel geringer als dem Klischee nach zu erwarten wäre.  Außerdem greifen Frauen im Bereich von Familie und Partnerschaft sogar häufiger zur Gewalt (körperlich und psychisch) als Männer.

Interessant sind auch die Sozialräume, in denen sich die Taten abspielten. Während Frauen häufiger in Partnerschaft und Familie zu Tätern und Opfern wurden, fanden die meisten Gewalterfahrungen von Männern auf der Arbeit oder in der Öffentlichkeit statt. Trotzdem sind es vor allem die familiären und partnerschaftlichen Gewalterlebnisse, die männlichen Opfern zu schaffen machen. Weiterhin gaben Männer auch häufiger an unter der erlebten Gewalt zu leiden. Dafür scheinen weibliche Täter häufiger von ihrem Gewissen geplagt zu werden. Bei Ihnen zeigte sich ein stärkeres Unrechtsbewusstsein als bei männlichen Tätern.

Jung, arm, gewaltgefährdet

Generell schön körperliche Gewalt für die Opfer eine größere Belastung darzustellen als psychische. Mehr als drei Viertel der Befragten fühlten sich durch körperliche Gewalt in ihrem Befinden stark oder sehr stark beeinträchtigt. Psychische Gewalt stellte dagegen „nur“ für 60% eine solche Beeinträchtigung dar.

Zur Risikogruppe für Gewalt in jeder Form gehören vor allem junge Menschen (18 bis 29 Jahre) und Personen mit niedrigem Sozialstatus.

Insgesamt war jeder 20. Studienteilnehmer in den letzten 12 Monaten ein Opfer von körperlicher Gewalt. Immerhin 3,7% der Befragten sind in diesem Zeitraum als Täter in Erscheinung getreten. Psychische Gewalt kam deutlich häufiger vor. Jeder fünfte der Befragten war hier Opfer geworden und jeder zehnte Täter.